Spielunke.

Mit Müdelidergeflatter pustet man keinen Frühling wach. Er lässt sich nicht bitten. Wie kurz und blumig auch das Kleid, wie nackt dann die Zehen, wie dunkel doch die Brille. Er lässt sich nicht bitten. Er hat sich die blauen Bänder fest ins Haar gewickelt, Blondlockenling, hat sie doppelverknotet, mit Schleife. [Venus as a boy] Schüchterne Jungen zögern, das sage ich. Bei Karin Boye heißt es noch Ja visst gör det ont när knoppar brister. Varför skulle annars våren tveka? Er traut sich nicht, auch im Wortspielsinn.

Aber wenn er kommt! Wie sich dann Eidotter in grüne Nester setzt (Abendrot allein ahnbar). Sich selbst im Tischtennis besiegt, immer rundrum, ebenbürtiger Gegner. Jugendstilfenster öffnet und dazu einlädt, in Morgenstunden auf Balkonholz zu treten, ehe man Wasser auf Augenringe (das einzige Geschmeide) rieb. Und wenn er kommt!

Dann laufen wir. Nicht um die Wette. Dann laufen wir in T-Shirts und lassen Jacken an Haken. (Sie aufgehängt im gleichen Raum, in dem man Jesus abhängte und in den Schrank legte.) Dann lassen wir laufen. Das Wasser beim Zähneputzen, lassen Wasser, lassen davon ab, zu. Lassen uns nicht aus den Augen und auch nicht im Stich. Legen hustenden alten Damen in Gedanken die Hände auf die Schulter. Ersehnen einen Sommer, in dem wir uns trauen, das auch in echt zu tun. Lassen es zu.

das erste von vielen

Aus der Kategorie „Bücher, die eine Axt sind für das gefrorene Meer in uns“: Hunger – Über Magersucht und weibliches Begehren von Caroline Knapp.

Oha. So umfassend und grundsätzlich, dass es mehr ist als ein Erfahrungsbericht zum Thema Magersucht. Dass es anspricht, auch wenn Magersucht nie ein eigenes Thema war. Weil (natürlich) ganz andere Dinge dahinter stehen als Essen selbst. Der Hunger nach mehr. Ihn sich einzugestehen. Seine Befriedigung einzufordern. Warum das schwierigschwierigschwierig ist. Sowas. Viel mehr.
Beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Caroline Knapp Foucault, Marx und Hegel in ihre Überlegungen einfädelt und mit welcher Leichtigkeit sie ihrem Thema gerecht wird. Tollerweise auch ein feminist friendly book. Eines, dass ich verleihen möchte muss, an viele Freundinnen. Weil es gut ist und Gedanken macht, die sich Gedanken machen, die sich und so weiter.

übersetzt von Anke Grube

familyfrankfurt

„You know that point in your life when you realize that the house that you grew up in isn’t really your home anymore? All of the sudden even though you have some place where you can put your stuff that idea of home is gone. […] You’ll see when you move out it just sort of happens one day and it’s just gone. And you can never get it back. It’s like you get homesick for a place that doesn’t exist.“

aus Garden State

Grüße an die dicke Tante Paulskirche, Grüße an ein Marmorsäulenzuhause, Grüße an das Süße und das Graue. Es droht: dringender Zahnarztbesuch. (Wenn Süßes grauenhaft wird.)

Durs und Helene und

Das ist wirklich großartig:

1. Das da lesen.
2. Nicht verstehen.
3. Noch mal lesen.
4. Über den Durs schimpfen. („Wie kann man bloß so schwurbelig schreiben?“ „Meint der das ernst?“ „Ist der blöd?“)
5. Das hier lesen.

Wie der sich gerade ins Fäustchen lachen muss, der Durs. So ein Scherzkeks.

via Andrea Diener