Sommerferientagebuch, 2

Einstellige Zahl Nazis, dreistellige Zahl Nazigegner, Trillerpfeifen, Sprechchöre, Plastikflaschen, die gegen anderes Zeug gedotzt werden. Ich höre nichts mehr. Ich sitze im Schatten und benutze eine Postkarte als Fächer, sehe Menschen, die ich mag, sehe Menschen, die Händchen halten. Alle schwitzen, wette ich.

Parteihausparkplatz. Das Gebüsch ist zum Drunterstellen groß, eine Sprenklergabel kippt hin und her, ihr Sprühen ist Regenbogenmaschine. Ich stelle mich nah ran und tu so als sei das Geräusch der nassen Blätter eigentlich das Geräusch von Tropfen auf Haut. Viele kleine Platschs, nur das Zischen fehlt.

Pfefferminze. Schnittlauch, Rosmarin, Liebstöckl. Gartengut zum Niedransattriechen. Aus dem und Knoblauch und Zwiebel und Tomate eine Suppe machen, die nach Frucht schmeckt und nach Maggi. Kein Wein rein.

Lauch nicht in einem Garten anbauen, weil sonst fehlt, einen grünen Stengel aus einer Einkaufsladenumhängetasche rauslugen zu lassen. Keine Kresse selberziehen, weil sich das weniger lohnt als das Papppäckchen aus dem Laden.

Nachts die Frage, ob das der Wind ist, der durch die Bäume geht. Ich strecke meine Arme am Balkonrand aus und werde nicht nass. Dann ein Blitz. Nein, es ist nicht der Wind. Es wird ein Fest, aus Eimern raus.

 

 

Sommerferientagebuch, I


Einen Stoß buntes Papier kaufen, damit fast alles von minieco nachbasteln wollen, Diamanten und Polyhedra, Girlanden und Kuverts.

Extra ein Weinglas nehmen, nur um Rotwein damit in die Suppe zu kippen; aus Tomatensuppe Traubensud kochen, killing its color.

Custom Kalender auf Papier malen, weil ich nicht programmieren kann.

Ein erstes Mal seit zwei Wochen alleine aus dem Haus gehen, nur um Frau Fragmente zu treffen, in fensterreiche Dachwohnungen hineindenken, noch lieber mit ihr Abendwinde passieren.

Kolostrum in Papiertaschentücher drücken; steife Flecken, nah an gestärkten Krägen.

Samenreste in Papiertütchen.

Besuch von Christian mit Gruß von Kathrin. Gute Güte. Und Schaumstoffelefanten, Zitronenlimonadensirup, Erdbeerkumquatmarmelade.

Mein Fahrrad, das ich nicht alleine aus dem Keller gehoben bekomme. Es fahren, einen Helm dabei tragen und späte Balkonblumen in seinem Korb.

Auf dem neuen Balkon ein erstes Kaffeeundkuchen. Wir nennen das Sommer, so wie man etwas herbeiruft.

This is a reminder


Die Anleitung ist leicht, aber die Rührmischung eine Zufallszusammenstellung. Man nehme einen hellen Tag, einen Spaziergang, gerade warm genug, um mit dünner Strumpfhose nicht weinen zu müssen, etwas Leichtes zu erledigen, Tanzmusik und Alleinzeit daheim. Ich weiß was. It’s easily easening me.

When I was a kid I wanted to be. When I was an adolescent I dreamed to do. See:
Ich war nur dann mal Duttmädchen, wenn ich mir Stifte ins Haar stecken wollte oder um mit Zahnstochern einen Igel auf meinem Kopf zu bauen.  Die Studentin in meinem Kopf trug Pferdeschwanz und Brille, träumte nicht narzisstisch rum, sondern war erfolgreich, engagiert und klug. Meine narzisstischen Träume zwischen 15 und 17.
Ich bin kaum Kind und will. Ich schreibe still, was bitte wird. Sieh:
Tanzen, Singen (Volksmusik, Lieblingslieder, Opern), Orchesterinstrumente spielen, als Soloistin. Ins osteuropäische Ausland gehen, nur um zu schreiben; ein Altstadtzimmer mit Wasserkocher und Heizung, allein sein und zuschaun und neu sprechen lernen. Über den Atlantik und Menschen kennenlernen und sprechen und politisch arbeiten (genderstudiesUNwhatevs). Mich bewegen, ohne festgebunden zu sein. Ich will nicht für Lohnarbeit leben müssen, ich will eine Arbeit, von der ich gut leben kann, ich will, dass Arbeit keine Rolle spielt, ich will eine Arbeit, die was bedeutet.
Und ein Kind, aber das passt so noch nicht dahinein. Ich will mit Kind in den Norden gehen, es soll es in Schulsachen besser haben. Wenn ich vor dem Grundschulalter Puppenmama spielte und internationale Abenteuer erlebte, gab es keinen Mann an meiner Seite, ich schaffte und machte alles alleine. Der Mensch, den ich liebe, ist der Mann an meiner Seite geworden; er bleibt. Aber wo ich? Wohin gehen wir zusammen?

Tanze vor dem Spiegel und halte mir die Haare hoch. Für einen Dutt reicht es noch nicht, halbe Flechtzöpfe bekäme ich hin. Dazwischen schnippse ich Synkopen und habs: Es ist alles drin.  Alles, was ich machen will. Es ist alles da. Alles, was ich haben will. Es ist einfach: Wenn ich schreibe. Ich kann sein und tun und mich reindenken und muss mich nicht festlegen und kann mich bewegen, obwohl ich an anderem hänge. Alle Berufe, alle Länder, jede Musik. Es geht. Ich will dieses Aha nicht verlieren.

(reminder: save yourself alony spaces, both in time & room. no compromise.)