Ich komme aus einer Familie, in der Handwerk und Pragmatismus eine so selbstverständliche Rolle gespielt haben, dass wir Kinder das nicht extra beigebracht bekamen. Für Handwerk und Pragmatismus waren ja nicht wir zuständig. Wir lasen Micky Maus und brachten den Papiermüll runter.
Ich bin in eine Welt gekommen, in der Menschen von sich sagen, sie könnten Sachen nicht, die sie nie gemacht haben, das ist ja auch irgendwie logisch, doch die Menschen machen diese Sachen dann nicht, sie seien grundsätzlich nicht in der Lage dazu, seien eben nicht dafür gemacht und machen sie dann nie. Das Steinzeitmenschengeschlechterding.
Ich bin in dieser Welt und glaube, alles können zu müssen, weil ich alles können will, weil ich keine Grenzen will. Es gibt Sachen, die will ich nur können, weil es untypischer ist, wenn Mädchen sie können und ich bin ein Mädchen und will, dass klar ist, dass Mädchen diese Sachen können können. Es gibt Sachen, die will ich können, weil sie praktisch sind, so wie es überhaupt praktisch ist, Sachen zu können. Es sind so Sachen, die jeder können kann.
Dann steh ich in der Welt, denke, ich habe gerade ein Bett zusammengebaut, ich habe ein Himmelbett ganz alleine zusammengebaut und den Lattenrost auch, obwohl ein Außenholm zu wenig im Paket war, habe das ohne Hilfe geschafft und ohne Fehler, bin stolz darauf und sage so oft „Ich kann das“ zu mir selbst, dass mir daran auffällt, wie ich mich im Defizit denke. Als müsste ich erst mich überzeugen. Als stünde das in Frage. Als sei das was Besonderes. Das ist, wo mir auffällt, dass ich ein Mädchen bin. Das und wenn die Welt sagt, „lass ma ’n paar Jungs holen“, obwohl die auch nicht mehr tun als die Anleitung zu lesen und zu tun, was die Bildchen vorgeben. Das ist, wo ich die Defizitdenke gelehrt bekomme. Dabei kann ich das auch. Nicht obwohl und nicht weil sondern ungeachtet dessen, dass mein Karyotyp 46,XX ist, zum Beispiel. Ich will das zugetraut bekommen, mit Selbstverständlichkeit, das und alles andere auch.