Barbaratag. Und Nicole-verschläft-solange-im-Bett-bis-das-Baby-sich-nicht-mehr-stillen-lässt-weil-es-keinen-Hunger-sondern-eine-übergelaufene-Windel-hat-und-stellt-beim-Wickeln-fest-dass-sie-den-Rückbildungskurs-verpasst-hat-Tag. Also auch Im-Bett-liege-Tag. Was blöd ist, wenn ich auf die Toilette möchte, oder gegen 15 Uhr mal ein Toastbrot frühstücken, aber sehr schön, wenn ich mit Kissen und Decken die perfekte Position gefunden habe. Im-Bett-liege-Tag heißt eben auch, ich bin das Bett des Babys und es liegt auf mir drauf.

Barbaratag. Mit den großen Kind im Dunkeln zum Supermarkt im Nordend fahren, wo Kirschbäume stehen, die größer geworden sind seitdem das Kind klein war, ich habe eine Haushaltsschere mitgenommen, aber das ist Quatsch, ich komm ja noch nicht mal mehr mit den Fingerspitzen bis zu den  Ästen. Einen erwische ich und kann ihn runterziehen, aber mit der Schere erwürge ich den Ast nur. Stattdessen breche ich einige der von ihm abgehenden Zweige ab. Das ist nicht professionell, aber geht. Seit 5 Jahren versuche ich das mit den Zweigen, aber nie blühten sie zum 24., oder überhaupt irgendwann. Ich halte mich jetzt an ein genaueres Rezept: Abschneiden, über Nacht in der Kälte (auf dem Balkon) lassen, ein paar Stunden in warmes Wasser (in der Badewanne) legen, erst dann in die Vase. (Mit Wasser oder ohne, ist noch unklar.)

Barbareitag. Das große Kind beginnt und beendet den Tag damit zu schreien und zu kreischen, verzweifelt. Was heute morgen war, habe ich verpasst. Heute abend sagte ich: „Bitte heb das Popcorn auf, das du auf den Boden geworfen hast, ich möchte nicht, dass jemand reintritt und das dann an den Socken klebt.“ Like, wortwörtlich. Als es ankündigte, auf das Popcorn treten zu wollen, sagte ich „Nein, bitte nicht“. Als es sich aufmachte, das trotzdem zu tun, sagte ich sehr deutlich nein, und das Kind, erschrocken, fing an zu weinen, sagte etwas in der Art von „Willst du dass ich weine/soll ich weinen?“, und los ging die Fahrt. Jeder Versuch, zu trösten, zu erfragen, was los, Gefühle zu verbalisieren, idk, wie ein Klick auf Kummer aktualisieren. Also daneben sitzen, ausweinen lassen und ablenken, wenn die Tränen alle sind. Ich weiß nicht weiter, aber kenns ganz gut. Das sich in einen Schmerz reinweinen, vergraben, Blickkontakt ausweichen, nicht rauskommen. Naja. Schöner Adventskalender, das hier.

Barbaratag, fast Nikolaustag. Vor der Wohnungstür steht ein kitschig schöner Nikolaus von meiner Omi, einen halben Meter ist der groß, mit Sack und Stock, Samtmantel und runzligem Plastikgesicht. Wenn man sich was zum Nikolaus wünscht, kann mans ihm sagen. Allein traut sich das große Kind nicht zu ihm, und so gehen wir zu viert, Hand in Hand. Der Vater der Kinder wünscht sich für das Baby, das noch nicht sprechen kann, einen ersten Brei. Dann traut sich das große Kind, es will Erdbeeren und Honig. Nicht klimaneutral, aber kriegen wir hin.

Was wir uns wünschen, vom Nikolaus, fragt es. Ich grübele. Jetzt, schnell, eine erfüllbare Idee! Bücher, denke ich, Bücher sind immer gut, ich habe da ja auch eine lange Amazon-Wunschliste, aber das bekomme ich nicht schnell genug für den richtigen Adressaten erklärt. „Safran!“ sage ich, und finde mich klug, das ist was besonderes, passt in Stiefel und käme am 6.12. rechtzeitig zu Lucia. „Und du, Papa? Was wünscht du dir vom Nikolaus?“ Der überlegt nicht lang und ich denke, ja, gib mir einen Tipp, mir gehen die Stiefel-Ideen aus, ich will mal was besonderes reinmachen. Dann sagt er etwas, was auch meine cis Mutter sich auf Nachfrage immer gewünscht hat. Etwas, woraufhin ich damals regelmäßig „oar, Mama“-mäßig mit den Augen rollte. Er sagt: „Ich wünsche mir liebe und brave Kinder.“ Na dann, work your magic, Nikolaus.

One thought on “ 4.12. ”

  1. dieser vater-wunsch kommt in „madita“ von astrid lindgren auch vor. woraufhin madita und lisabet, die kleine schwester, mit zitternder unterlippe und bibbernder stimme fragen, wo sie denn dann hinsollen…

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