das erste von vielen

Aus der Kategorie „Bücher, die eine Axt sind für das gefrorene Meer in uns“: Hunger – Über Magersucht und weibliches Begehren von Caroline Knapp.

Oha. So umfassend und grundsätzlich, dass es mehr ist als ein Erfahrungsbericht zum Thema Magersucht. Dass es anspricht, auch wenn Magersucht nie ein eigenes Thema war. Weil (natürlich) ganz andere Dinge dahinter stehen als Essen selbst. Der Hunger nach mehr. Ihn sich einzugestehen. Seine Befriedigung einzufordern. Warum das schwierigschwierigschwierig ist. Sowas. Viel mehr.
Beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Caroline Knapp Foucault, Marx und Hegel in ihre Überlegungen einfädelt und mit welcher Leichtigkeit sie ihrem Thema gerecht wird. Tollerweise auch ein feminist friendly book. Eines, dass ich verleihen möchte muss, an viele Freundinnen. Weil es gut ist und Gedanken macht, die sich Gedanken machen, die sich und so weiter.

übersetzt von Anke Grube

familyfrankfurt

„You know that point in your life when you realize that the house that you grew up in isn’t really your home anymore? All of the sudden even though you have some place where you can put your stuff that idea of home is gone. […] You’ll see when you move out it just sort of happens one day and it’s just gone. And you can never get it back. It’s like you get homesick for a place that doesn’t exist.“

aus Garden State

Grüße an die dicke Tante Paulskirche, Grüße an ein Marmorsäulenzuhause, Grüße an das Süße und das Graue. Es droht: dringender Zahnarztbesuch. (Wenn Süßes grauenhaft wird.)

Lesung Nr. 7

Ein weit entferntes Nachhinein. Hineinhorchen in den letzten August, Hausnummer 27. Der große Saal der schönen Aussicht zwei.

Die Vor’arbeit‘: Probelesen am Mainufer (Restverbrannter Sommerrücken), Titelblätter basteln, Reader zusammenstellen, setzen, drucken, heften. An frisch vom Drucker ausgespuckten Papier die Finger verbrennen. Lastminuteland: Schlafplätze alle ausgebucht. Aber es wird. So wie es immer wird.

Auf den Stühlen liegen bunte Zitatzettelchen, bald dann viele Menschen. Wirklich viele Menschen. Volle Menschen. Nein, also, voll von Menschen. Carolin Dabrowski stellt neue Höhenrekorde in Sachen herzliebste Anmoderation auf; gelesen wird zwischendrin natürlich auch. Am Ende gibt es Sonnenblumen für die Menschen, die nicht da sind.

Danach dann zumindest halbvolle Menschen in den „Gesammelten Untertreibungen“, denn es gibt Sekt für uns. Für mich noch eine Handvoll Abschieds-oh-mein-Gott-es-war-so-schön-Melancholie und ein Pochen auf Tisch und Stuhl und Wohnhaus.

Mein Haus das ist die Möglichkeit,
– schöner als Prosa ist’s -,
mehr Fenster als das andre hat’s,
an Türen ist’s ihm über.

Lesung Nr. 6

Vor der Lesung gab es eine Generalprobe im Sitzkreis, oder Gruppenkuschelvorlesen, wie man’s nimmt. Mit Tee, Kaffee und Vorfreude.
Fast der ganze Sexy Underground in meinem Zimmer und einige erweiterte Krakenarme dazu.
Kissen-, Tassen- und Deckendurcheinander ist alles, was übrig blieb. (Ich hab’s noch ein paar Tage stehen lassen.)

Gemütlichbuntdurcheinander war es dann im Café Stilbruch, und auch sehr schön. Das Herz klopfte nur zwei Minuten vorher so arg, als müsste es einem Defizit entgegenarbeiten. Auf der Bühne dann wie eh und je: Gut nämlich. Mikrophonküsse und dergleichen.
Mit anschließender Geburtstagsfeier und Musik (mit Geige!) war am Ende alles rund und wohlfühlbar, trotz Kopfschmerz. Habe einiges an Text, heiße weiße Schokolade und auch etwas zum Anfassen und Behalten mitgenommen: einen altmodischen Trödelsessel aus dem Café, in dem wir lasen. Für Hildesheim. (Hildesheim!)