Daumen raus halten. Daumen drücken. Ich versuche heute ein Glück.
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Okay, März. Mehr von ihm erwartet, mir mehr und ganz was anderes für ihn vorgenommen. Da sollte Kunst rein und dann war es vor allem Kapitalismus. Trotzdem gut gefüllt und angenehm, der Monat.
Monatsportrait: als mir ein Euro fehlte, um biometrische Fotos im Passbildautomaten zu machen und ich stattdessen sogenannte Spaßfotos machte, weil der Automat kein Rückgeld gab.
(Fotos für einen Reisepass; um fliegen zu können. Wenige Stunden nach dem Absturz der Germanwings-Maschine und noch völlig clueless.)
gelesen: Schriftsteller, von Jessica Durlacher. Bäh, ist das schlecht. Danach Liebesfluchten von Bernhard Schlink. Sehr gut gemachte runde, volle Kurzgeschichten. Aber so glatt, dass ich vergessen habe, worum es bei den Geschichten eigentlich ging. Was vielleicht auch an der austauschbaren WHM-Perspektive lag.
geschrieben: ein Anschreiben, täglich 750 Worte, das zu meiner Lieblingsserienfamilie und das zum Schlaf, der mir geschenkt wird. Eine Miniatur für das Missy Magazine. Und diesen Text für Tausend Tode Schreiben umgeschrieben.
gesehen: Mitten in die Sonne rein. Und mir ist jetzt klar, warum es gefährlich ist, bei einer Sonnenfinsternis in die Sonne zu starren: weil es eh gefährlich ist, in die Sonne zu starren. D’uh. Zwei Tage vorher brennende Barrikaden vor meiner Haustür und auch sonst allerlei krasses Zeug vor den Augen.
gehört: Hubschrauber. Den Podcast The Longest Shortest Time, verspätetes Binge-Listening von der ersten Folge bis zur letzten. Einen besseren Podcast zu Elternschaft kann es unmöglich geben. Und mit den Ohren an einem Tiny Desk Concert von A Roomful of Teeth gehangen. Unbedingt bis zum Ende hören, wenn die Stimme von Dashon Barton als Licht durch all die bimbimbims und bams bricht.
(Immer noch verknallt in Caroline Shaw. Aus Gründen: „In conversation, Shaw is frank, unpretentious and attuned to cliché. She lightheartedly brushes off a generic question about her compositional influences and responds to a query about how her gender affects her music by saying, „I just barfed in my mouth.“„)
gerochen: an Lippenstift von Manhatten (nom) und Kackepopos vom Kleinkind (not so nom).
gelernt: einen Donut-Dutt zu machen, dass Perlweiß wirklich funktioniert, wie Schminken in echt geht. Und nützliche Vokabeln.
geschafft: aus Samen Keimlinge werden zu lassen, Deadlines einzuhalten, Einladungen zu Bewerbungsgesprächen zu erhalten.
gesucht: passende, bequeme schwarze Pumps. Ruckedigu, Blut ist im Schuh.
getroffen: tollste Frauen, mit denen befreundet zu sein, eine Ehre wäre. Frauentagsempfang und Frauenkampftagsdemo FTW. Und mit Befürchtungen mitten ins Schwarze.
gefühlt: angenommen, leichtfüßig, aufgeregt und motiviert.
a painting for hope
Durch Isabel Bogdan vor Monaten Wochen einen Hinweis darauf bekommen, dass das Künstlerehepaar C. P. und Heidi Seibt ein Jahr lang kleine Gemälde gegen Hoffnungen eintauscht. Richtig verschenkt, sogar mit Porto. Jeden Tag gibt es ein neues Bild, für das man eine Hoffnung einreichen kann, wenn es eine_n anspricht. Wenn mehr als eine Person sich das Bild wünscht, wird gelost.
Nachdem ich mich einige Male vergeblich auf ein Bild beworben hatte und schon ausrechnete, wie häufig ich eine Hoffnung einreichen müsste, um überhaupt eine Chance zu haben, je nach Durchschnittszahl der Bewerber_innen, ist es mir plötzlich doch geglückt. Bei einem Bild, dessen Hoffnung von allen eingereichten Hoffnungen meine Wichtigste war. Und, Knaller: es ist Bild Nr. 333.

Es gibt noch sechs mal die Chance, Hoffnung gegen Bild zu tauschen. Auf, auf!
12von12 – März
Ein sonniger Märztag. Der Zwölfte dieses Monats. Offengehaltene Augen und zwölf Bilder von diesem langen Tag, nicht nur von mir..

Ich lerne eine meiner Muttersprachen neu, deren Klang mir so vertraut ist wie meine Fähigkeit sie anzuwenden abwesend. Mit Kaffee durch ein paar Vokalbelkarten blättern. Prăjitură. Ich kann kein rrr.
Was ich kann: wieder regelmäßig schreiben, 750 Worte, mindestens. Wenn ich nicht so lange warte, nachdem ich aufgestanden bin, fällt es sehr leicht. First things first.

Auch sinnvolle Texte schreiben. Mehrere Versuche für was Kurzes mit Pointe, mit Aussicht drauf, gedruckt zu werden. Gute Mühe, das wiederum nicht so leicht.

Spätnachmittags das Kind von der Krippe abholen. Von der aus man die beste Sicht auf den alten jüdischen Friedhof hat und dafür die Nase nicht zwischen ein Türgitter klemmen muss.

Einen schönen großen Vogel gesehen, der seine langen Schwingen ausbreitete, als wir ihm näher kamen, sich sonst aber sonnte.

Mit dem Kind noch einen Abstecher zum Main machen, statt Spielplatz. Es schwebt voran.

Dann diese fiesen Vögel. Das Kind torkelt in Richtung Gans und was macht die? Läuft mit Angriffsgeschnatter direkt auf das Kind zu, das nur wenig größer ist und in einem Duell mit ihr keine Chance hätte. Ich werfe mich dazwischen, trage das Kind von ihr weg. Und die? Rennt erneut zeternd auf das Kind zu, sobald es auf dem Boden steht. Holy fuck. Chill mal, Gans. Chill mal.

Nach einem Flugzeug Ausschau gehalten, um es zu fotografieren, weil sich ein Wunsch darin verbirgt. In einer Stadt leben, in der es so konstant nach Flugzeug dröhnt, dass ich es nicht als Störgeräusch wahrnehme, aber wenn ich mal absichtlich eins sehen will, ganz schön lange warten und ins Blau starren muss.

Dem Kind ein Eis versprochen, oder eher mir selbst (Matcha-Eis, nämlich). Die übermütige Idee, sich ins Café hinein zu setzen. Das Kind verzieht erst das Gesicht, wahrscheinlich weil Eis kalt ist, und klagt so sehr, dass wir wieder gehen. Ich nehme an, es wolle Eis, sei aber frustriert, weil Eis eine unangenehme Temperatur habe. Stellt sich heraus: Es ist frustriert, weil es selbst mit dem Löffel essen will. Ich bleibe ab da alle drei Meter stehen, um ihm vom Eis zu reichen.

Zum Beispiel vor dem Museum für Moderne Kunst. Im Erdgeschoss des MMK ist ein Fenster einsehbar, zu einem holzverkleideten Zimmer mit Mikrowelle und Tassen. Ist das Kunst oder kann da ein_e Angestellte_r Pause machen?

Zuhause zieht es das Kind zu den Bilderbücher, es zieht an der Decke auf dem Sofa und deckt uns zu. Wir lesen (ich singe) die Raupe Nimmersatt, bis es so sehr an einer Seite zieht, dass sie reißt. Dann verlangt es nach keinem neuen Buch mehr und schläft ein.
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Der Februar hat mich gerade damit überrascht, dass er schon vorbei ist. Ich hätte gerne noch ein paar Tage von ihm genommen; sein Schluss war schön.
Monatsportrait: Bewerbungsfoto-Horsti
gelesen: Tiere Essen von Jonathan Safran Foer immer noch nicht zuende. Dafür Muttergefühle. Gesamtausgabe von Rike Drust in einer Nacht und einem halben Tag durch. Wie ich in der ersten Schwangerschaft nicht an das Buch wollte, weil sie nicht hoffnungsvoll war, und nach der zweiten Geburt keine Lust hatte über Gefühle zu lesen, die ich nicht habe, war diesmal die Zeit richtig. Nachträgliche Versicherung, dass dieses Buch auch dann safe ist, wenn man nicht in Liebe fürs Kind ertrinkt. Wird jetzt verliehen.
gesehen: immer noch Bob’s Burgers, immer noch <3. Außerdem den Film Arranged, wegen eines gif-Sets, über das ich auf tumblr stolperte. Empfehlung.
gehört: Take me to Church von Hozier rauf und runter, nach dem das Internet an verschiedenen Stellen dieses Video empfahl, als erstes gesehen bei Sue. Das Lied leider leergehört, das Video ist trotzdem noch schön. (Ich bin nicht die einzige, die David LaChapelle mit David Chappelle verwechselt, oder?)
Außerdem: Sleater Kinney! Nachdem ich mit dem Album nicht warm wurde, hat es mich durch dieses Lied mit einem Schlag getroffen. Liegt nicht nur am Video, ich schwöre.
gerochen: nach Schweiß. Und gutes Essen im Treppenhaus, das nicht hinter meine Tür führte.
gesucht: einen Aushilfsjob. Suche noch.
geschafft: nicht mehr ohne Sinn und Verstand zu scrollen. Ablage gemacht. Mein Postfach von über 11.000 Mails (über 6.000 ungelesen) auf 3.879 (davon 1285 ungelesen) reduziert. (Mir war wohl mal so langweilig, dass ich eine Piraten-Mailingliste abonnierte. Don’t ask.)
geschrieben: dies, das, Konzertnotizen, einen Lebenslauf und wieder täglich 750 Worte.
gespielt: Verstecken, mit Bauklötzen und endlich wieder schlecht Geige, ausgerechnet auf einer Bühne.
getroffen: ein letztes Schulorchesterkonzert, mitten ins Herz, dabei Menschen die ich lang nicht sah und bittegerne oft wiedersehen möchte.
gefühlt: Super sorgenvoll und sehr zufrieden.
12von12 – Februar
Nachdem ich verstanden habe, was #12von12 ist, fand ich, wenn mitmachen, dann ab Januar, für tatsächlich 12x12x12 Bilder in einem Kalenderjahr. Pustekuchen. Der 12. Januar war der schwerste aller Krankenhaustage; das Kind nahm nichts zu sich, die Visite kam und kam nicht, ich hatte Fragen und wartete, bot dem Kind alles mögliche an und wartete, und ja, das war das Deadlinedatum für mein History Assignment. Naja.
Februar also. Unter anderem Geburtstag von Abraham Lincoln und meinem Freund.
Ich habe verschlafen, seit Tagen scheitert der Versuch, vor zwei Uhr ins Bett zu gehen. (Auch heute wieder.)
Auf den Wochenmarkt gehen, mit dieser Folge von Stuff You Should Know auf den Ohren.
Zutaten für Königsbergerklopse. Geburtstagsgeschenk. Ethische Bedenken.
Die Klopse. Meine erste Mehlschwitze.
Besuchsaufgeräumtes Wohnzimmer
Das Kind spielt, der Geburtstagsbesuch ist wieder weg.
Dazwischen Kuchen, Verstecken, Fußball, Spielplatz, Kaffee, Verkleiden, Rollenspiele.
(Ich hauptsächlich in der Rolle eines verzauberten Pferdes, das Kaka macht.)
Das Kind putzt sich die Zähne hält die Bürste unter Wasser und saugt das Wasser mit dem Mund auf.
Der Heilige Gral, stellt sich heraus, ist mit warmer Milch gefüllt.
1
Der Januar? Ausguck, in zwei Richtungen. Von hier bewegte sich noch nichts ins Jahr, außer Ideen. So feste Ideen mit bis in den Dezember hinein geplanten Dates (Euphemismus für Deadlines). Ich könnte mir auch Erinnerungen ins Handy machen, aber das ist meistens aus. Im Moment.
Monatsportrait: für den kleinerdrei-Geburtstag.
gelesen: Tiere Essen von Jonathan Safran Foer, fast zuende. Und ich merke jetzt erst, im Inbegriff des Tippens, dass sein zweiter Name Safran ist. Nom.
gesehen: im Fernsehen zum Beispiel Never let you go (nicht geweint, war knifflig), im Kino Boyhood (stellte ich mir mehr artsyfartsy vor), im Internet Bob’s Burgers (Knaller! <3).
gehört: Caroline Shaw rauf und runter, Björk in der Hoffnung auf ein erreichbares Konzert und wieder diese guten Wohnzimmerkonzerte.
gerochen: glitzerndes Gesichtspuder mit Orangenduft auf der Nase, Desinfektionsmittel und neulich eine Kapitulation provozierende Gewitterwolke Deo im Bus.
genossen: jeden Kaffee am Morgen im Bett, und nicht aus dem Bett herauszumüssen, um ihn zu bekommen.
geschafft: fast zwei Wochen Krankenhaus mit Kind, ein Referat, eine Minihausarbeit, das alles parallel.
geschrieben: zusätzlich Listen, Gedichte, einen Kalender voll.
getroffen: Menschen, deren Namen ich nicht mehr weiß (Krankenhauspersonal), Menschen, die ich ins Herz geschlossen hab (Krankenzimmergenoss_innen), Menschen, mit denen ich Stimmen auszählte.
gefühlt: hoffnungsvoll & nervös in der Brust, Alpakagarn und Schafffell (noch am Schaf dran) zwischen den Händen.
long song
Keine Versprechen geben, die du nicht halten kannst.
Lieber Listen, immer Listen. Von einer neuen Herzliste singen:
- Gedichte schreiben, jede Woche eins, weil ich 52 Ideen zur Hand habe
- Eine Domain kaufen und den Gedichten eine Seite bauen
- Meine Cis-Muttersprache lernen, endlich, und mit diesen Sprachkenntnissen meiner Uroma in Rumänien hallo sagen, hoffentlich
- Was machen mit dem, was da ist: #knitfromyourstash, #readfromyourstash (soviele ungelesene tolle Bücher hier, soviel unverstrickte Wolle)
- Mein Schreibzimmer nutzen und auskosten, weil es wahrscheinlich das letzte Jahr ist, bevor es zum Spielzimmer für das Kind wird
- Mir ein Tattoo stechen lassen (und es mit einem regelmäßigen Einkommen bezahlen)
- Verbindungen herstellen, darauf hoffen, dass es leuchtet
- Puppen nähen und verschenken
- Mehr Besuch einladen und mehr auf dem Balkon rumsitzen
- Mehr handspindeln
- Mehr küssen
Ein paar Ideen aus der Herzliste vom vorherigen Jahr rüberschubsen
- Harry Potter wirklich wieder lesen und das nicht auf die enge Adventszeit schieben, mindestens wegen maps Text
- Autoführerschein machen, mich als Sommerstraßenbahnfahrerin bewerben
- Mit der Nähmaschine lernen, wie man Gardinen näht und dann den weihnachtlichsten Stoff der Welt kaufen
- Vom Tanzen verschwitzt und Singen heiser ein Konzert verlassen
- Zeug in die Stadt und ein Zine kleben
Ich wünsch mir mich mit weniger mimimi, will ein Haus tragen können in meinen Händen und das Jahr obendrauf. Keine Versprechen halten können, aber das.
so long
My days, my weeks, my months, my years,
Fly rapid as the whirling spheres
Around the steady pole;
Time, like the tide, its motion keeps,
Still I must launch through endless deeps,
Where endless ages roll.
Nicht mehr wissen, was ein Jahr ist, weils so plötzlich vergeht. Bin ich bereits so alt, dass die Zeit nur fliegt? (Wieviel schneller soll denn das noch werden?) Zu jung sein, um sich über Haushaltsgeräte als Geschenk freuen zu können, zu alt, um ohne Abschluss noch gut aussehen zu können. Falten und weiße Haare verunsichern mich weniger als das.
Nicht mehr wissen, was ein Jahr ist, für Versicherung durch Fotoalben scrollen. Ein Baby wurde zum Kleinkind, dazwischen Jahreszeiten.
Nicht mehr wissen, was ein Jahr ist, aber annehmen wollen, es sei okay gewesen. Depends. Systematische Ungerechtigkeiten gegen die Dankbarkeit halten, warm duschen zu können. Aber was ist das denn bitte gegen Beispiele von Polizeigewalt, Transmisogynie, antiislamischen Rassismus, Krieg (tbc)? Heiße Tropfen auf verbrannter Haut und ich bin unsicher, ob 2014 wirklich mehr Scheiße war oder die Scheiße nur sichtbarer.
Trotzdem Schönes vom Jahr wissen: Wien mit Postpony. Teil von kleinerdrei sein. Gestrickt und gesponnen. Podcasts gehört, Serien gesehen. Von der Herzliste 2014 ist einiges übrig geblieben, ich habe weder einen Auto- noch einen Nähmaschinenführerschein, habe kaum gelesen oder geschrieben, aber das war ja keine To-Do-Liste. Es ist gut so.
Nicht mehr richtig wissen, was ein Jahr ist und nicht mehr wissen wollen, als das, was ausreicht, um sich aufs Neue zu freuen. Pläne nicht schmieden, Pläne als Buffet anrichten. Das alte Jahr zur guten Nacht küssen. Fresh blanket, clean slate –
Ein Jahr mit seiner Willkür. Ich weiß nicht, was es ist, aber es geht und kommt wieder und geht, time, like the tide. Ich unbewegt, doch:
okidoki-tober
Gerade die Heizung aufgedreht, zum ersten Mal in dieser Saison, und schon ein paar mal beim Händewaschen ein bisschen länger unter dem warmen Wasser geblieben. Heuer ist um die selbe Zeit mehr Laub auf den Bäumen als vorheriges Jahr. Keine Esskastanien gesammelt, aber einen guten Vorrat an Eichelkäppchen, für diese, jene und andere Dinge. Die Nacht auf Allerheiligen hin wird die Weihnachtswerkstatt in diesem Haus eröffnet, ich freu mich auf eisige Winde und Zimt.











