*22* – Traditionen

Die Regelmäßigkeit, mit der man um das Adventsfinale was Zwischenmenschliches verkackt. Mit der Drohung bestraft werden, dass Weihnachten ausfalle; best before growing up. Danach macht man sich zwar nicht mehr so in die Hose, froh ist das da trotzdem nicht. Wenn liebhaben und denken-an im Stillen ginge und genug wäre. Aber es verhält sich wie mit dem Studieren: Geht darum, zeigen zu können, was man gelernt hat und weiß. Geht darum, den Menschen zu zeigen, dass man sie mag. Nicht, die guten Dinge im Innern zu hegen. Await my vowels: Wenn ich wach bin, will ich mich bei allen melden. Wenn ich vom Denken nicht immer einschliefe. Mein Kissen ist ein schlechtes Gewissen.

*21* – Fanmilie

[Foto von Klaus Hausbalk]

Superleuchtfun auf saisonalen Familienfotos. Ab heute werden die Tage länger, ab jetzt wird rückwärts in den Sommer gezählt. Hier muss ich mich entscheiden, was ich an Weihnachten tragen will, hier darf ich nichts vergessen, das unter Frankfurter Bäume oder ins neue Jahr will. Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn. („[…] innere adventliche Sehnsucht.“) Sich alberne Indikatoren ausdenken wie: taking AAAAALL your feminist books to live with you at your boyfriend’s place -> serious business. Diesen Koffer wird niemand nicht tragen können.

 

*19* – zögerling

Wenn Adventskalender tägliche Pflicht sind, nicht Ungedudsverkürzer. Ich komm mit keinem hinterher, nicht denen, die ich esse, nicht dem, den ich betrachte, so überhaupt gar nicht dem, den ich schreibe. Vorsatz für das neue Jahr: Tageskalender im November vorbereiten. Blog like a pro.

*18* – vier

Vierter Advent, es brennen nur drei Kerzen. Die vierte war mal die zweite, dann hab ich die Flamme ausgespuckt. Seitdem geht sie nicht mehr, das Licht hält einen Atemzug, ehe es sich verzischt. Wir lesen wieder. Wir backen Pepparkakor, rollen sie dünn genug aus, dass sie das zweite Mal verbrennen; bis wir den Dreh raus haben. Wir naschen nicht viel, spielen lieber den ganzen Tag miteinander. Vier Meter Seil. Und wir arbeiten die Weihnachtsfilmliste ab:

  1. The Three Godfathers
  2. Die Muppets Weihnachtsgeschichte
  3. Die Geister, die ich rief
  4. Kevin allein zu Haus.

Es ist fast vier, als ich entscheide, mich ins Bett zu legen, es ist zu spät, um einen Zug um 8.13 Uhr zu bekommen, es wird 16 Uhr sein, da ich aus dem Bett klettere. FAIL hat auch vier Buchstaben.

 

*17* – (er)zählen

Wenn man es richtig machte, setzte man sich abends mit dem Tag hin, legte seine Hände auf den Tisch und flöchte etwas Erzählbares aus den Fingern. Macht man es falsch, kann man aus den Händen nichts mehr lesen, vorangeschrittene Tage.
Fotostudio, Mittagessen, Oxfam, Buchladen, Baumarkt, Einkaufsladen. Alles in schick, siehe Punkt 1. Jeder Punkt feiner zu zerlegen. Ein Tag, in dem Schnee liegt, in der Erinnerung, Menschen die Berger Straße betanzen, wie wenn der Geist der gegenwärtigen Weihnacht am Start ist, die Hände im Muff, die Röcke mit Schwungumfang. Sie kreiseln. Ich erinnere mich nicht gut.

Noch eine Woche bis zum Heiligen Abend. Erwachsenengedanke: Nur? Kindergedanke: Noch eine ganze Woche? Ich kann mich nicht entscheiden.

*16* – schrecken

Nicht so heiter: das erste mal seit sechs Jahren die Haare in professionelle Hände geben. Ich erinnere mich, wie es wehtat, wenn ich als Kind meinen Nacken ins Becken legte, und bin froh groß genug geworden sein, das zu genießen. Mindestens bis es tränenerregend brennt und später der Nacken Hämaton spielt. Ein Pony zu Weihnachten, aber verschnitten. Vorher wusste ich nicht, was für eine Frisur ich wollen könnte und weiß danach nicht, ob ich das gewollt habe. Am allerwenigstens weiß ich, warum ich so weinen muss.

Heiteres Hobby: Orchesterfails sammeln:

*15* – Swag

Ich trage ein Nikolausmützchen als Haarspange auf dem Kopf und vergesse es wie Tampons, die in Werbung getragen werden. Kinder sehen mich an, Kommunalpolitiker_innen lachen mich aus und stolpern. Trüge ich ein Geweih, sie würden mich vielleicht nicht so oft auf Fastnacht hinweisen. Es ist die letzte Stadtverordnetenversammlung vor Weihnachten und ich langweile mich leicht. Debatte zu Open Data, ich sticke das Jugendwort des Jahres in Steppstich in Blumenstoff. Nachgeschlagen kann ich es auf den Plenarsaal anwenden: Ms. Roth hat es. (& how she works her pants!)
Ein Grüne-Soße-See, er schwappt mir vom Teller an der Brust auf’s Samtkleid. Serviettenrettversuch. Ich werde hinter die Kantinentheke gebeten; um einen Tee auszusuchen vermute ich, da steh ich schon am Waschbecken. Eine Frau macht einen Lappen am heißen Wasser nass, reibt mir die hellgrüne Creme vom Kleid, sie sagt „Baby“ und meint es nicht böse.
Vom Rathaus auf den Römerberg, wir stehen gut und bekommen zwei Pferde im Karusselerdgeschoss. Die Außenhand am Zügel, die Innenhände ineinander. Wir halten uns fest, sehen uns an und nicht in Reitrichtung. Zu unserer Runde ist das Lied ein amerikanischer Klassiker, als wir absteigen singt Stevie Wonder und ich vergesse das schöne Lied von davor. Rückweg zum Römer, Passanten lachen: „Ah, des sin ja die zwei Verliebte von vorhin!“
Mir geht es anders gut, heute brauch ich den monatlichen Segen der Stadtverordnetenvorstehenden nicht. Ich reiche ihn weiter, mit leichter Hand:

Ich schließe die Sitzung und wünsche Ihnen einen guten und sicheren Nachhauseweg.

*14* – Doppelgeburtstag

Hurra Klaus, hurra Dana. Erst auf Isomattenküchenboden in Muffingesellschaft husten, in nächster Küche zu weiterer Muffinparty husten, dazwischen auf einer Rückbank bei Pommes-frîtes-Chips husten. Wenn Lippenpiercingkugeln auf ungekehrtem Boden verlorengehen. Ich finde sie nicht in den Krümeln, ich entziehe mich gerne. Club Mate im überdosierten Erkältungsbad. Wir sind eine WG wie Familie. Lachen aus der Küche, ein paar andere in ihren Zimmern, Internet People in Gesellschaftsgesprächen. Die Kinder sind groß genug, sich alleine zu vergnügen, die Mama liegt in der Wanne und raucht Campher und Eykalyptus. Bei den Sims hab ich üblicherweise nicht die Karrierewege durchgezogen (nie genug Freunde Netzwerk, ha!) sondern geknutscht, Liebe und Babies gemacht, geguckt, dass regelmäßig geduscht gegessen computergespielt geschlafen wird. Später gab es Familie als Ambitionsoption. Man kann auch nur zur Musik aus dem Grundstücksüberblick grooven. Meine Ambitionen waren gering genug. Zur Nacht den Rücken mit Erkältungscreme eingerieben bekommen, das brennt wie kalter Hände Streicheln. Beste Besserung.