zwei

zwei

Ich komme nicht in Stimmung. Es ist geschmückt, es schneit, es leuchtet, strahlt und klingt. Ich komme nicht in Stimmung. Kein Weihnachtsgefühl, keine Vorfreude; ich überprüfe mich ständig darauf, ob ich denn jetzt endlich was fühle. Nein nein nein, so geht das nicht. So gelingt auch kein Orgasmus, so unentspannt, so komisch kontrolliert. Ist da jetzt was? Na, ist da jetzt was? Na? Na? Na? Und dann darüber ärgern, dass nix passiert. Nein, so geht das nicht. Eher so: entspannen und die Sachen machen, die Spaß machen, die schön sind. Und dann in Vergnügen und Nähe überrollt werden von allerwärmster und wohliger Freude.

WAIT! You were just about to win the game!

I’ll never forget this feeling of wonder, comfort & stillness. An Autumn day, a Summer’s day. Wintery night, Weddingday, the 1st of Candy. When everything and everyglitchen and chickenpiggytreecrabbutterflystone dies.

In der letzten Stunde, die ich durch Ur lief, fand ich einen Glückskeks auf dem Boden. Weltuntergangsstimmung, die Glitchens horteten nicht (für was auch), nö, allmöglich Zeug lag auf den Wegen, die Straßen voll mit allem was lebt, was man essen, womit man spielen kann. Es war eng und schwer, sich zu bewegen, und so wunderlich gruselig – warum bin ich nicht zuhause, warum wandere ich durch eine bunte fremdlebendige Welt, die auseinanderbricht? Ich hätte alles mitnehmen können, ich hätte alles auch auf dem Boden bleiben lassen können. Ich sah einen Glückskeks und steckte ihn ein. Dann ließ ich mich auf den Mond holen und wartete mit vertrauten Glitchens auf das Ende. Im zerbrochenen Keks dieser Text:

Life is short
And pleasures far
And holed the ship
And drowned the crew
But, o!
But, o!
How very blue
The sea is

Danke, liebes schönes Spiel. Danke für die entzückenden Dialoge, das warme Miteinander-Sachen-Machen, die Musik (oh, die Musik!) und ach, die Mythologie. So viel, was ich noch sehen und hören will, so viel, was ich verpasst habe. So viel. „Currently closed“ bedeutet nur vorrübergehend, ja? I’ll wait for a spring day.

übersprungen

Am 3. Dezember kommt Annerose aus der Schule gerannt und die Erzählerin droppt den besten Satz des ganzen Buches. Darauf freuten wir uns als Vorlesekinder auf Wohnzimmerkissen vor dem Sofa sitzend schon lang vorher und kicherten in adventlicher Erwartung auf das kleine obszöne Juchu!
Schnüpperle steht am Küchenfenster und wartet auf Annerose. Schnüpperle steht mittags immer am Küchenfester. Er paßt auf, ob Annerose rennt.
>>Sie kommt!<< ruft Schnüpperle. >>Sie rennt! Sie hat’s nötig!<< Schnüpperle reißt die Haustür auf, damit Annerose nicht erst klingeln muss.“ Achtung, jetzt der Knallersatz!
„Annerose kommt die Treppe heraufgesprungen, daß die Bücher im Schulranzen bumsen.“*
Hihihi.

Am 6. Dezember bekommt Schnüpperle Besuch von seiner Freundin Susanne. Die kann ein vergnügliches Gedicht aufsagen:
„Susanne hustet und räuspert sich lange. Dann sagt sie:
>>Also, es geht los. Erster Vers:
Holler, boller Rumpelsack –<<
Schnüpperle kichert, und Susanne stößt ihn in die Seite.
>>Ruhig, ich fang noch mal an. Also, erster Vers:
Holler, boller Rumpelsack –
Niklas trug sie huckepack,
Weihnachtsnüsse gelb und braun,
Runzlig, punzlig anzuschaun.
<<
>>Lach doch nicht, sonst mach ich nicht weiter<<, sagt Susanne. >>So, zweiter Vers:
Knackt die Schale, springt der Kern,
Weihnachtsnüsse ess ich gern.
Komm bald wieder in dies Haus,
Guter alter Nikolaus!
– Alle.<<
>>Schön<<, sagt Schnüpperle. >>Aber holler boller und runzlig punzlig, das find ich am schönsten. Sag’s noch mal.<<
>>Aber nicht wieder lachen!<<*

Am 7. Dezember wünscht sich Vater, dass es schneit, weils im Hundertjährigen Kalender steht, und ist traurig, weils das nicht tut. In dieser Stadt und drumherum schneite es und blieb liegen. Ätsch!

*[BARTOS-HÖPPNER, Barbara: Schnüpperle. Gütersloh : Bertelsmann Jugendbuchverlag, 1969, S. 15-16 und S.32]