25.1.

Lippen wie getrocknete Mandarinenspalten. Zwischen den Rissen schmeckt es süß, der Rest ist krispelig. Die schönste Zeit des Tages ist die, die ich nur für mich habe. Die Möglichkeiten. In der Realität: die verscrollten Möglichkeiten.

Ich überlege, ob ich irgendwas zum kleinen Kind erzählen soll, es liegt gerade mit dem Kopf zwischen meinem Bauch und meinem rechten Oberschenkel, aber ich habe gerade keine Story zur Hand. Oder:

Wenn ich einen Muttiblog / Familienblog / Elternblog (name it as you please) hätte, ich hätte die perfekte anonymisierte Bezeichnung für alle Familienmitglieder. Sie würde in einer Familienbio an der rechten Seitenleiste stehen so wie: Herzlich Willkommen in meiner kleinen Welt. Hier erzähle ich dir von allem, was mich so beschäftigt: #Feminismus, #shitiknit, #kinderkacke, #erwachsenenpups. Gemeinsam mit meinem Mann (Bär, 42), meinen beiden Kindern (Einhörnchen, 5, und Rotkehlchen, 1) lebe, liebe und lache ich ger… Nein, okay, nope. Also, naja. Ich wäre dann der Fuchs in der Auflistung, es wäre ein Waldthema, grafisch abgestimmt. Aber würde ein totes Kind in dieses Textgenre passen? Denn es sind ja drei Kinder. Wo bringt man es unter, das kleinste Älteste. Mein Keimling, 0, der jetzt unter einem Baum lebt, oder halt nicht lebt, passend zum entsprechenden WordPresstheme.

Oha, das klang vielleicht garstig oder bitter. Es ist anders. Innerfamiliär haben wir tatsächlich eine Waldmythologie am Laufen. Um so darüber zu schreiben, um Personen öffentlich damit zu benennen, ist es mir zu kitschig. Aber wie schreiben über Menschen, die man publizistisch nicht bei ihrem Passnamen nennen will, aus Gründen (obwohl sie so schöne Namen haben). Mit den Kindern ist es leicht, noch, in nüchtern. Das große Kind und das kleine Kind (manchmal auch: Baby). Kind 1, 2, 3 wäre abgekupfert, und außerdem, totes Kind, da ist die Nummerierung eine offene Wunde. Noch peinlicher, wenn es um den Partner geht. Freund fühlt sich passender an als Ehemann, was akkurat wäre. Vater der Kinder, wenn ich drei Schritte rückwärts aus dem Kitsch machen will, der mir an den Gummistiefeln klebt. Partner, als Kompromiss. Feels weird anyhow. Und Initialen für alle, da ist oft der Bezug nicht klar.

Am Ende ist die Frage eine Banalität, die bloß schwer greifbare Widerstände offenlegt, beim alten Versuch Privates in der Öffentlichkeit zu verhandeln. Wenn man gleichzeitig Heteronormativität nicht unhinterfragt embracen will, aber halt auch Kram beim Namen nennen. Es bleibt eine Frage.

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