2.5.

Wenn man einen Satz dreimal lesen muss, weil a) die Augen klebeschwer sind oder b) die Konzentration nur noch mit Spucke fährt, ist es c) Zeit ins Bett zu gehen. Hier hängt alles hinterher. Hausaufgaben gelesen, aber nicht so bearbeitet, dass ich morgen früh sicher aus dem Haus Richtung U-Bahn schlendere. Eher so, dass ich dort lieber hinten säße, aber dann machen wir sicher Gruppenarbeit. Ich weiß gar nicht, was man mit dem Text, der fast ausschließlich eine Faktensammlung ist, mehr machen soll als eine Gruppenarbeit, man kann ja nicht jedesmal die gleiche Gruppenarbeit machen. Grupenarbeiten machen mich immer noch nervös, aber ich spürs weniger, je müder ich bin. Ich perform auch nicht besser müde. Naja, Kompromisse. Wie: Texte lesen, aber die Küche ignorieren. Hausaufgaben machen, aber spätestmöglich. Frühestmöglich die Kinder ins Bett bringen, was spät genug ist. Fast Food, weil in der Küche kein Platz für Geschirr ist, das hatten wir schon. Und jetzt ins Bett, obwohl ich noch Vokabeln nachschlagen, einen Kürzelindex anlegen, Personen und Sachverhalte recherchieren sollte. Ich könnte hier einschlafen, auf den Knien vorm Sofa, das Kinn auf einem Sofakissen, mehr und mehr der ganze Kopf darin vergraben. Keine Kompromisse: ich gehe ins jetzt Bett.

1.5.

Feiertag, das heißt Arbeitstag, ich bin Sonntagsarbeiterin. Tag der Arbeit, darüber kann man ja diesen und jenen Gedanken haben. Am härtesten erarbeitet war heute mein Ausschlafen. Wach vom kleinen Kind, das sich zwischen das große Kind und mich schob, zu dritt auf 90 Zentimetern, und ich zu müde, um um sechs Uhr noch mal einzuschlafen, den halben Körper über den Matratzenrand geschoben. Manchmal stehe ich um sechs Uhr auf und bin froh über die Gelegenheit, Vormittagsstunden für mich zu habe. Heute nicht. Ich muss ein Schlafdefizit ausgleichen. Heute stapfe ich also ins Schlafzimmer, empört, verlange Ausschlafzeit, die ich auch zugestanden bekomme, vom anderen Erwachsenen, aber nicht vom kleinen Kind, das nur schreit und sich verbiegt. Auch nicht, na meinetwegen, mit mir im großen Bett im Schlafzimmer sein will. Nur schreien und sich verbiegen. Der Trick: das schreiende Kind auf den morgenkalten Balkon mitnehmen und es atmet und biegt sich nicht. Es guckt: Ein Vogel. Ein Hund. Bäume. Danach, drinnen, noch ein Aufbäumen, es nimmt, nicht von mir, die Milch, und ich den Weg ins Bett. Immer wieder aufgewacht, aber zwischendrin so warm zugedeckt, mein Körper eine Pralinenfüllung, in Schichten gewickelt. Ausgeschlafen.