Sich etwas aus den Fingern saugen, oder von ihnen ablecken. Ich habe heute zweimal etwas gemacht, das man kochen nennen kann. Jetzt ist mein Bauch so voll und präsent, dass ich auch vermute, mein Uterus ist mit Innenausstattung beschäftigt. Oder ich sehe das nur so, weil ich Sportkleidung trage, die eng anliegt. Ich sehe das und mache mir meine Gedanken dazu, die immer bei nicht weniger werden wollen landen, aber der Weg dahin ist Schlenkern, ist Widerstand gegen eigene Widerstände.

Sportkleidung trage ich, weil ich vor einem Fernseher eine verknickte Yogamatte hingelegt habe und darauf versuche, mich in die eine oder andere Richtung zu strecken, ohne dass meine Brüste in die eine oder andere Richtung baumeln. Der Fernseher ist mit dem Internet verbunden, ich bekomme alles vorgemacht und verrenke mich beim Versuch zu sehen, was ich wie nachmachen soll.

Auf der Matte frage ich mich, was für 1 (westdeutsches Hausfrauen-) Life das eigentlich ist. Vor 25 Jahren hätte ich eine Videokassette mit Aerobic-Hometrainer in den Kassettenrecorder schieben können, jetzt ist es Youtube-Yoga.

Ich trage Sportkleidung, aber ich würde nicht sagen, dass ich Sport mache. Ich mag Sport nicht. Oder: Ich mag mich selbst nicht, wenn ich Sport mache. Die Grenzen des eigenen Körpers. Unzulänglichkeiten, die als Pars pro toto unfreundliche Aussagen über mich als Person treffen. Sportunterricht, die Erinnerung daran. Selbst Sport, den ich in einem feministischen Setting gemacht habe, oder um stärker zu werden, ist für mich in destruktive Selbstoptimierung gekippt, weil ich das Gefühl hatte, nicht genug zu sein, nie genug sein zu können.

Beim Rückbildungskurs war ich froh, wenn das Baby mich im Nebenzimmer bei sich haben wollte. Ich hatte gehofft, wir würden dort rumsitzen und unseren Beckenboden wie einen Schmetterling flattern lassen, in Gedanken mit unserer Vulva Gegenstände aufheben, aber wir mussten uns richtig bewegen. Ich war die einzige, die das nicht geschafft hat und erschöpft mittendrin liegen geblieben ist. Dann habe ich auf eigene Kosten geschwänzt, self care, sozusagen.

Ich mache also keinen Sport, sicherheitshalber, ich probiere hier nur was aus, was Freundinnen empfehlen, weil es ihnen gut tut. Ich mag, dass mir hier niemand zusieht, dass mich niemand korrigiert, dass ich mich nur mit mir auseinandersetze und nicht damit, was ich denke, was andere über mich denken, wenn mein Körper nicht macht, was ich will. Und ich mag das Gefühl, wenn das Video vorbei ist. Wenn ich aufstehe, etwas dizzy, und merke, oha, hallo Körper, danke für die Durchblutung, nice to feel you. Manchmal ist auch Sex so: Das Staunen, wie sich der eigene Körper anfühlt, nachdem man sich ein bisschen bewegt hat. Dann muss ich lachen, und das ist sehr okay.

 

 

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