Staunen. Nicht staunen in Andacht und oh, stattdessen staunen im Rausch, als ich das Treppenhaus vom Dachboden bis zu unserer Wohnung putze. Ich weiß nicht, vor wievielen Monaten das zuletzt gemacht wurde, ich war das jedenfalls seit Jahren nicht mehr. Ich staune über die Energie, die ich habe. Ich habe mich heute doch schon bis zum Muskelkater bewegt, gestreckt, gedreht, beim Versuch, Yoga zu machen. (Fun fact: wie peinlo ich es finde, das zu schreiben, aber mei, ich mach‘s halt grad.) Kann es sein, dass man Energie davon bekommen kann, was Anstrengendes zu machen, Energie zu verbrauchen? The human body as a regenerative powerplant? idk. Ich wische den Flur gleich mit, habe vorher gekehrt, den Weihnachtsbaum (weit vor Ostern) aus dem Haus getragen, und vorsorglich, unnötigerweise, Kehrwisch und Kutterschaufel für den Rückweg mitgenommen. Später klemme ich mir drei Müllsäcke unter die Arme, ehe ich das Haus verlasse, eine verspätete Adventskalenderschokolade als Wegzehrung in meiner Manteltasche.

Das große Kind mitschleppen, um ein kleineres Kind zu treffen, das genauso heißt, das ist mein Vorwand gute Menschen aus dem Internet zu treffen. Doch dann will das große Kind eigentlich nur heim und hängt schlapp auf meinem Bauch wie ein krankes kleines Kind. Ich habe abgewogen, wie fair das ist, und will glauben, dass es okay ist, wenn Kinder mit ihren Eltern zu sozialem Kram der Eltern mitkommen, nicht nur umgekehrt. Auch wenn es die Kinder langweilt, auch wenn die Kinder schüchtern und unsicher sind. Dann bin ich gerne das Boot und trage, denn ich will auch in die Welt.

Apropos Boot: bevor ich mich zum Einschlafstillen des kleinen Kindes aufs Sofa gesetzt habe, dachte ich, das könnte länger dauern, so anhänglich und verrotzt wie es ist. Da könnte ich doch einen Film sehen, so einen richtigen normallangen Spielfilm. Ich habe also Vaiana gesehen, jetzt erst. Und wie: Mit der Filmanalysebrille die Plotpoints vorraussehen, aber bei den spannenden Stellen trotzdem die Faust im eigenen Pulli verkrallen. Alles wiedererkennen, Pocahontas, Arielle, Herkules, Hamilton. Und am Ende, erst als der Film rum ist, beim Titelsong im Abspann kribbelnde Augen kriegen für vielleicht eine Träne. Das war schön.

 

 

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