Der Versuch im Gehen zu tippen, also zu sprechen, ins Telefon, ein Diktat, das ich später korrigiere. Um 2:00 Uhr nachts am Rathaus vorbei. Die Straßen glänzen regennass, ein weiter schwarzer Teich die Stadt. Niemand unterwegs, das macht es auch nicht so peinlich ins Telefon hinein zu reden. Und dabei Satzzeichen zu sagen. Punkt. Und Komma. Unterm Arm einen Kalender vom Frauenreferat, darauf auf einer Seite in großen Buchstaben: „Fass mich nicht an!“ Ich überlege, wie rum ich den Kalender halte, mit der Schrift zu mir oder als Aufforderung von mir weg. Unter dem Aufruf eine Notiz, dass 53 % Frauen mit Behinderung, die in privaten Haushalten leben körperliche Gewalt erfahren, in sozialen Einrichtungen sogar 73 %. Das ist das Kalenderblatt für den Dezember. Frohe Weihnachten, y’all. Und dann bin ich ganz alleine auf dem Rathausplatz und hinter mir fährt ein Auto von der Straße, aus der ich kam, auf den Platz auf dem sonst keine Autos fahren. Das ist schon ein bisschen gruselig.  Aber unter dem Fenster eines Souvenierladens schlägt jemand ein Nachtlager auf und ich bin nicht ganz alleine. Weiter Richtung Museum. Richtung Menschenstimmen. An der neuen Altstadt vorbei. Dieser Begriff. Ich habe sie noch nicht begriffen. Wenn die Kinder in die Schule gehen, werden sie bestimmt mal eine Führung machen und da erzählt bekommen, wieso das so aussieht wie es aussieht. So wie wir mit der Klasse hier vorbei liefen, weiter hinten und an Steinen im Boden gezeigt bekommen haben, wo mal ein Turm stand. Wo Bücher verbrannt wurden. Diese Dinge.
Ich habe heute wieder verpasst, Rumänisch zu üben. Ich falle aus dem Rhythmus. Aber der Tag war so voll, da war kein Plätzchen. Und ich habe ihn nur mit schönen Sachen verbracht. Mit Ausschlafen. Mit Duschen und Haare waschen. Mit Yoga, davor. Mit duftender Creme für die Hände, und duftendem Puder für das Gesicht. Und dann das warme weiche Ingwer-Gesicht gegen klirrende Luft halten, auf dem Weg zur Arbeit. Die heute fast keine Arbeit war, und ich so gut wie fertig für das Wochenende, nur noch mal kurz die Abstriche aus der Maschine holen, morgen. Dann, das schönste: M. treffen. Zwischenspiel feministische Abendveranstaltung vom Journalistinnenbund. Wir spazieren von Mineralwasser und Häppchen zu Wein und Pho, zu N. und L. – sich zu Hause fühlen, wo man nicht wohnt. The privilege. The pleasure.
Und dann wieder heim, nachts um zwei, das warme Gesicht in klirrende Luft halten.  Dankbar, für den Partner, der in der Zwischenzeit die Kinder ins Bett brachte, und es ist keine Frage. Schön, dass alle schlafen, aber selbst bin ich so wach. Zeit, doch noch ein bisschen Rumänisch zu üben, vielleicht. (Vielleicht auch nicht.)

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