12.1.

Nachdenken über Scham. Sachen, die ich sage und dann will ich nicht mehr sprechen. Was das eigentlich ist. Dass ich den Sprung mittlerweile schaffe, schon in Gedanken, dahin, dass es nichts macht. Hab ich halt was gesagt, das ich dumm oder too much fand. Kann ich mit leben, geht schon wieder vorbei. Eine Übung. Mein privates vulnerability-Bootcamp.

Oder das Gegenteil von Scham. Ich stehe im Bad, das kleine Kind auf dem Hocker, hält die Hände unter den Wasserstrahl am Waschbecken, planscht gemäßigt, fühlt vor allem. Ich muss es nicht unterbinden, nur begleiten, also dabeistehen, damit es nicht stolpert oder spritzt. Das ist okay, aber langweilig. Ich will nicht das Zimmer wechseln, um ein digitales Endgerät für mehr Erwachsenenentertainment zu holen, ich bleibe und sehe dem Kind über den Spiegel zu. Und sehe mich. Lächle vor mich hin, bis ich merke: Ich mache mir schöne Gesichter. Halte mein Gesicht so, wie ich mir am besten gefalle, und ich gefalle mir gut. Mir ist gar nicht mehr langweilig, ich könnte mich den ganzen Tag so ansehen, mein schönes Gesicht, die Brauen, die Augen, die Brille, und so weiter. Dann erinnere ich mich an was, wie vergaben und vergessen –

Ich, gerade noch kein Teenager, sicher. Oft unsicher, immer wieder Zweifel über meinen Körper brustabwärts, keine Frage, aber dann das, eine ganze Zeit lang: Wie ich morgens zur Schule gehe, im Gymnasium, die Zeit nach der 5. Klasse, denn davor hatte ich mir noch die Zeit vertrieben mit meinem Taschenradio, eine Aboprämie vom Micky Maus Magazin, wo aus den Billo-Kopfhörern Planet Radio kratzte und immer wurden Lieder angeteasert, die erst gespielt wurden, wenn ich meinen Schulweg schon gelaufen war. Das Ding jedenfalls ging kaputt oder verloren. Ich langweilte mich auf dem Weg in die Schule und fing an, in jedes Auto zu gucken. Um mich in der Spiegelung der Autofenster zu sehen. Im Zwiegespräch mit meinem hübschen Gesicht, vom Audi zum Skoda zum Opel zum nächsten und über die Ampel wo keins stehen darf und dann auf der nächsten Straßenseite wieder weiter. Die Selfie-Culture von 1999 sozusagen, schon mit Filter.  (This shit is important.)

 

 

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