Das Webmuster des Sofas auf den Gesicht des kleinen Kindes. So wie Tortenspitze in Salzteig gedrückt. So, dass sie nicht festklebt. Je mehr es verblasst, umso mehr sieht das Kind aus, als sei es aus verschiedenem Papier modelliert, oder eher collagiert – die Schlafseite auf rauen Bütten, der Rest aus glattem Seidenpapier.

Wie man das Wort Collage ausspicht, habe im Käseblatt gelernt, dem Magazin für den belesenen Diddl-Maus-Fan. Ich habe es trotzdem noch lange mit der Aussprache von College (as in: Collegeblock) verwechselt.

Ich weiß, man kann viel Herablassendes über Diddl sagen, und ich kann meine Kindheitserinnerung (eher unterkomplex) intellektualisieren, indem ich sage, dass ich die gezeichnete Maus als kulturelles Artefakt schätze. Aber die Wahrheit ist, dass es reicht, dass sie meine Kindheitserinnerung ist, das ist signifikant genug. Weil es kein schlechter Geschmack ist, ihre runden Füße zu mögen, die Aquarellhintergründe, die Farben und Motive. Weil es keinen schlechten Geschmack gibt, per se, sondern nur unterschiedliche Geschmäcker, die so hart mit Habitus verknüpft sind, dass die ästethische Prägung und die Kindheitserinnerungen von bestimmten Gruppen mehr Ansehen haben als andere. Nicht zufälligerweise ist das, was als gutes Design oder besonders ästhetisch gilt, erheblich teurer. Naja, old news.

(Manchmal überlege ich, ob ich nur noch Kinderbücher vorlesen soll, die den Bechdeltest bestehen, aus Prinzip. Oder so gut wie keins mehr, käme wohl aufs Selbe raus. Das Diddl-Endlosmärchen, das ich habe, besteht den Test sicher nicht.)

 

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