Vor zwei Tagen twitterte ich, in der Straßenbahn, halb aus der Hüfte geschossen: „These: wie gleichberechtigt in einer Heterobeziehung die Haus- und Carearbeit aufgeteilt ist, erkennt man daran, wer für die Wäsche verantwortlich ist.“

Ich hätte statt These auch Hot Take schreiben können, und erläutert habe ich auch nicht, was ich gemeint habe. Ich glaube, es wurde gelesen als: „Wer in einer Heterobeziehung die Wasch-Arbeit gleichberechtigt aufteilt, führt eine gleichberechtigte Beziehung. Das mag stimmen, ist aber keine zwingende Bedingung, eh klar. Oder wie ein Test: Mein Mann macht die Wäsche, also habe ich gewonnen.

Bevor ich in die Straßenbahn eingestiegen bin, war ich mit meiner Familie bei einer befreundeten Familie zu Besuch. Kurz bevor wir gingen, erzählte der Vater, eher nebenbei, dass er für die Wäsche verantwortlich sei. Und ich denke: Oha! Eher selten, oder? Ich habe vor ein paar Wochen ja schon über die Konmarie-Serie nachgedacht, und darüber, was die Sendung erzählt oder offenlegt über die Verteilung von Arbeit, und ja, Wäsche ist auch da (vom schwulen Paar abgesehen, because obviously) nicht Männersache. Aber: Hier bei uns zuhause bin nicht ich für die Wäsche verantwortlich, sondern mein Partner. Ich finde, wir teilen uns die Haus- und Carearbeit ziemlich fair*. Ich habe auch den Eindruck, dass das Paar, das wir besucht haben, und bei dem ebenfalls der Mann für die Wäsche zuständig ist, eine ziemlich gleichberechtigte Beziehung führt und sich Haus- und Fürsorgearbeiten so fair wie möglich teilt. Mit zwei Paaren ist mein Sample Size jetzt nicht so aussagekräftig, und eh alles anekdotische Evidenz. Aber ich frage mich doch, ob nicht mehr dahintersteckt.

Das hat vor allem mit der Geschichte von Wäsche als sehr spezifischer und gegenderter (Haus-)Arbeit zu tun. Nicht nur, dass Frauen in Privathaushalten für die saubere Wäsche ihrer Familie verantwortlich waren; in Zeiten ohne Waschmaschine etc, war es auch outgesourcete Arbeit, die arme und marginalisierte Frauen für Fremde übernahmen, um Geld zu vedienen, in der Regel in ihren eigenen Wohnungen. Außerdem eine körperlich sehr anstengende Arbeit. Ich muss auch denken an chinesische Wäschereien im 19. Jahrhundert in den USA, sozusagen als Familienbetriebe, und die sexistischen Stereotype vor allem gegenüber chinesischen Männern, die diese aus westlichen Blick als unverrückbar weiblich angesehene Arbeit gemacht haben.

Die Norm, das Wäschewaschen eher unmännliche Arbeit sei, hat sich bis in die Gegenwart gehalten. Wäsche ist auch jetzt eine Hausarbeit, für die bei Hetero-Paaren überproportional viele Frauen verantwortlich sind. (Siehe z.B. „Die Korrespondenz von normativen Vorstellungen und Handeln – Das Beispiel männlicher Hausarbeit“, von Grunow und Bauer, in Comparative Population Studies; Vol 39, No 3 (2014)). Und anders als Kochen ist Wäsche nicht unbedingt eine Arbeit, die Lustgewinn verspricht oder sich leicht als Hobby eignet. Von @Sammelmappe den Hinweis bekommen, das in einer anderen Generation als meiner vor allem Kloputzen ein Streitpunkt war. Den Punkt finde ich gut, auch ein Faktor, der viel über Geschlechterverhältnisse, Gerechtigkeit und Macht in Paarbeziehungen erzählen kann. Aber wenn das Klo nicht regelmäßig geputzt wird, ist das zwar nicht so schön, die Folgen erscheinen mir trotzdem eher gering. Wäsche muss gemacht werden. Wenn die Wäsche liegen bleibt,  bricht die innerfamiliäre Infrastruktur zusammen. Wäsche sammelt sich. Wäsche hört nie auf. (Wäsche! hört! nie! auf!)

Wäsche ist auch besonders, weil sie so sichtbar ist, Wäscheberge, die sich in der Wohnung stapeln, aufgehängt an Leinen vor dem Haus, auf Wäscheständern in der Wohnung oder auf Balkonen. (Okay, manche Leute haben Trockner. Aber dann muss der Haufen aus dem Trockner immer noch weiterverarbeitet werden.)

Bei uns trägt H. die Wäsche vom Wäscheschrank zur Waschmaschine in der Küche, füllt Waschpulver ein (ich müsste ihn fragen, um die Dosierung zu erfahren), programmiert sie auf die richtige Zeit, holt sie raus, trägt ein Stockwerk höher auf den Trockenboden, hängt sie auf, hängt sie wieder ab, faltet sie, trägt sie runter, räumt sie in den Schrank. (Gebügelt werden hier nur Bügelperlen.) Das alles abends, nach der Arbeit, und zwar fast jeden Tag. Ich habe mich und habe ihn am Anfang unserer Beziehung gefragt, ob das nicht ungerecht verteilt ist, aber es ist okay für ihn, er fühlt sich dafür verantwortlich und macht es einfach.

Meine erweiterte These ist also, dass wenn bei einem Heteropaar der Mann für die Wäsche (allein-)verantwortlich ist, die Haus- und Carearbeit mutmaßlich gerecht aufgeteilt ist. Vor allem wenn Kinder ins Spiel kommen, die diesen Arbeitskomplex in der Regel zu ungunsten der Frau verschieben, kann es ein gutes Gegengewicht sein, wenn der Mann ausgerechnet für die Wäsche zuständig ist.

Das heißt jetzt alles nicht, dass ich Hetero-Beziehungen, in denen die Frau die Wäsche allein macht, per se für weniger gleichberechtigt halte oder mit Zeigefinger daneben stehen will. Weil das in der Realität eh alles komplexer ist und von viel mehr Faktoren abhängt. Sondern eher, dass ich finde, dass Wäsche, sowohl in der Gegenwart, als auch sozial- und kulturgeschichtlich, ein wichtiger und super interessanter Indikator ist, um etwas über Geschlechterverhältnisse zu lernen. Schmutzige Wäsche lesen, sozusagen.

(Der Witz: Heute war ich mit dem kleinsten Kind alleine zu Hause. Während ich für uns Reste aufwärmte, öffnete es die kurz voher fertig durchgelaufene Waschmaschine und fing an, ihren Inhalt auszuleeren. Also habe ich schnell einen Wäschekorb geholt, damit nicht alles auf dem Boden landet. Bei Bettlaken assistiert. Applaudiert und mich beim Kind bedankt.  Und gedacht, na,  wenn ich den Korb jetzt hier stehen lasse, stinkt er sicher. Also habe ich mir Korb und Kind geschnappt, und habe, ausgerechnet heute, die Wäsche mal selbst aufgehängt.)

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*H. gerade vorm Schlafengehen noch mal gefragt, wie fair er die Aufteilung von Haus- und Fürsorgearbeit bei uns findet. Er sagt: „Ich hab das Gefühl, du machst ganz viel, und ich geb mir Mühe genauso viel zu machen“. Ich muss lachen, denn: mir geht es meistens ganz genauso.

 

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