7.2.

Wie ich denke, heute gehe ich mal richtig früh ins Bett, so vor Mitternacht. Aber dann mache ich doch was anderes, oder mache nichts und denke darüber nach, was ich so machen könnte, weil jemand auf mir liegt und verhindert, dass ich aufstehe und etwas mache. Die Schubladen des leeren Kleinteilemagazins wieder einräumen, das ich zum Entertainment auf den Fußboden gestellt habe. Mich unter der Strumpfhose am Knie kratzen. Mal pipi. Das kleine Kind krabbelt mit den Fingern der rechten Hand auf meinem nackten Bauch herum, mein T-Shirt ist hochgerutscht. Die Finger krabbeln weiter zur Brust, aus der es gerade trank. Die will es nicht, es sucht, und kann die andere Brust nicht finden, weil es bereits mit dem Kopf darauf liegt.

Wie ich denke, ich habe eine Chance immer noch früh ins Bett zu gehen, es ist noch nicht mal halb zwölf. Das kleine Kind ist mittlerweile fertig mit der Brust, die es sucht, liegt auf meinem Bauch und lässt sie nicht mehr aus den Fingern. Früh ins Bett gehen bringt nichts, wenn ich es neben mir schlafen lasse, ich will lieber ins enge Bett zum anderen Kind, da schlafe ich nicht dünn, sondern durch.

Dann gelingt mir die Flucht ins Bad, ich kann die Strumpfhose ausziehen und mich kratzen, das Kleine bekommt eine Milchflasche vom Vater, ich habe auch keine Stories mehr parat außer Sachen, die sogar für mich zu peinlich (as in: pinsam, siehe peinvoll) zum öffentlich sagen sind, und dass das große Kind sich die Walzer-Grundschritte von mir abgeschaut hat und für sich selbst weiter übte, zur Elektrodisko aus dem Spielzeugflügel.

Das Kleine ist nicht zufrieden, ich sitze noch auf dem Klo, es hat die Flasche leer getrunken und schreit, wird in den Schlaf gestreichelt, hoffentlich, ich höre es atmen und halte den eigenen Atem an, wage nicht, die Spültaste zu drücken, ehe ich ein okay höre, aber dann höre ich es wieder schreien. Als ich denke fuck it, doch spüle, meinen Kram aus dem Wohnzimmer zusammensammle und mit halbem Bein im Schlafzimmer stehe, wird das Schreien zum leiser und leiser gestreichelten Knottern. Luft anhalten, ein Husten, Luft anhalten, nicht bewegen. Luft anhalten, es atmet ruhig und schwer.

Wie das große Kind, bei dem ich jetzt liege, Minuten vor Mitternacht.

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