Verspätet.

Abends noch gebeten worden, dem großen Kind ein Gute-Nacht-Lied vorzusingen. Ob es nicht lieber mir eins vorsingen wolle. Nein, denn es kenne den Text ja gar nicht. Also singe ich Der Mond ist aufgegangen. Bei „er ist nur halb zu sehen“ wirft das Kind ein, dass das nicht immer so sei. Ich singe weiter, darüber hinweg und schlafe dann selbst ein.

Als ich aufwache, merke ich, wie sehr ich diesen Schlaf gebraucht habe, wie gut es tat, vor 21 Uhr im Bett zu sein und nicht erst ab ein Uhr. Trotzdem bin ich müde. Das kleine Kind heute so voll Kummer und Wut, es schreit und nichts ist richtig, nicht angezogen werden, nicht nackt bleiben. Es trinkt und stößt sich wieder ab, um zu schreien. Ein Entwicklungsgespräch in der Kita gehabt, in der sie erzählten, es weine nie, sei nie wütend, habe keine Trotzanfälle. Daran denke ich diesen Morgen. Und glaube auch, es hat damit zu tun, dass die Kita ein viel kinderfreundlicherer Ort als diese Wohnung ist, weniger Verbote, weniger Zwang, weniger Anlass für Frustration. Darüber kann ich eigentlich ganz froh sein.

Was mich daran erinnert, wie das große Kind empört fragte, warum es nicht früher, warum es nicht schon um zwei Uhr abgeholt werde. Weil sein liebster Kinderladenfreund darauf besteht, früh abgeholt zu werden, weil dessen schichtarbeitende Mutter das auch tut. Ich sitze hinten im Auto, und während mein Partner erklärt, dass das nicht gehe, weil er Vollzeit arbeitet und sich Mühe geben muss, keine Minusstunden zu machen, denke ich, ohne eigene Vollzeitarbeit etc: „Tüdelü, hoffentlich sieht mich niemand“. Ich könnte es ja fast jeden Tag um zwei Uhr abholen. Ich will aber nicht.

Es ist ein tolles Kind, mit dem ich gerne viel Zeit verbringe. Und ich? Ich bin eine tolle Erwachsene und will mehr Zeit mit mir selbst verbringen.

2 thoughts on “ 7.3. ”

  1. Du bist (unbekannterweise) die tollste Erwachsene und ich musste beim Lesen gerade ein kleines Tränchen weinen, weil du meine Gedanken so schön in Worte gefasst hast. Ja, ich mag meine Kinder, sie sind großartig und werden so schnell groß. Trotzdem möchte ich Zeit für mich, mit mir, und nicht nur zum Lohnarbeiten.

    Danke!

    Und solidarische Grüße zum Kampftag!

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