18.4.

Das Glück, das ich habe, und was ich ich damit mache.

Ich wurde zu jedem Seminar zugelassen, das mir etwas bedeutet. Ich wurde zu jedem Seminar zugelassen, um das ich gebangt habe. Einmal eins, für das ich Losglück brauchte, offiziell, oder Persistenz, weil ich mir sicher war, wenn man einfach immer wieder kommt, das Semester lang, wo nach und nach die Leute aus dem Seminar fallen und nicht wieder reinfinden, so wie ich ja auch jedes Jahr, immer wieder, wenn man einfach trotzdem kommt und mitmacht, dann kann der nette Dozent nicht nein sagen. Jetzt habe ich einen Platz bekommen, offiziell.

Und das Seminar bei der Professorin, von der ich gestern erzählte, ich war zu spät für einen Wartelistenplatz, first come first serve, und bin einfach trotzdem hin. In den American Studies nicht so üblich wie in der Soziologie, wo am Anfang alle ihren Einkaufswagen vollladen und an der Kasse ist nur noch so viel drin, wie man mit der Hand nach Hause tragen kann. Die Professorin konnte mir nichts versprechen, erst hat die Warteliste ihr Recht, es soll ja fair sein, und ich bin dankbar, weil ich mich diese Woche über intransparente Entscheidungsfindungsprozesse in der Krabbelstubenwhatsappgruppe so aufgeregt habe, dass es mich erinnerte, wie sehr ich klare Verfahren wertschätze, auch wenn sie zu meinen Ungunsten ausfallen. Heute überraschend eine Mail, dass ich einen Platz haben kann, ob ich wolle und ich antworte innerhalb von Minuten unprofessionell euphorisisert. Wie müde ich den Nachmittag war von drei Stunden Nachtschlaf und zwei Stunden Vormittagsschlaf und nach dieser Mail so wach, ich mache Hüpfer über das kleinste Kind, bin froh, als hätte ich ein Stipendium gewonnen, aber was ich gewonnen habe ist richtig viel (gute) Arbeit.

Ich habe jetzt drei Seminare in den American Studies, die 30 Credit Points geben. Allein das soll den Workload einer 40-Stunden-Woche bedeuten. Dazu kommt das Soziologieseminar, das ich mit der Zusage zum dritten und am meisten gewünschten American-Studies-Seminar auch fallen gelassen hätte, aber jetzt habe ich ja den Platz und will ihn nutzen. Dazu kommt eine sprachpraktische Übung. Dazu kommt ein Short Fiction Tutorium, dazu kommt ein Short Fiction Workshop und welchen Workload habe ich dann? Ich will gar nicht so genau gucken. Oder an Lohn- und Carearbeit denken.

Bei zwei anderen Soziologie-Seminaren habe ich es in der ersten Woche schon nicht geschafft, hinzugehen, einmal verpeilt, einmal weil Gartenarbeit dringender war. Das ist jetzt sehr in Ordnung. Ich hätte sie losgelassen. Ich habe genug zu tun. Und vermute: Das Schlimme wird nicht sein, im Semester die Texte zu lesen, Präsentationen zu machen, dies das. Das Schlimme wird sein, drei Hausarbeiten auf einmal zu schreiben. Der Versuch, drei gute Hausarbeiten auf einmal zu schreiben.

 

 

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