wip wednesday

eins, Schreiben: Eine Idee für den Lesungstext, ganz verschwommen. Milchglaslesung, das passt ja. Jetzt fehlt nur die Arbeit daran. Überhaupt, Arbeit. Sich jede Woche wieder hier einfinden und sehen, das nichts passiert ist. Ab morgen früh wieder 750words; der Versuch, 100 Tage am Stück zu schaffen. Mehr schreibend denken, wenn ich schon nicht spazieren gehe.

zwei, Selbstmachen: Wolle gefärbt. Oha. Ein Staun-Prozess, der viel Chemie und viel Nach-Gefühl-Rumprobieren ist. Die Wolle aus Holland und Spanien mit Alaun gebeizt und in Blauholz-Sud gefärbt. This is fun! Und verfilzt. Etwas, das ich üben, zu dem ich mehr recherchieren muss, vielleicht sogar in gebundenen Büchern.

Wolle aus Holland vor dem Färben. Wolle aus Holland im Beizbad, auf dem Topf liegt ein Holzlöffel, auf dem "Wollöffel" steht. Färbebad, Blauholz in rotem Sud in einem Tuch, das mit Mini-Wäscheklammern am topf befestigt ist. Dunkelllila gefärbte Wolle aus Holland hängt an einem Faden und trocknet. Im Hintergrund ein Bembelposter. Knäuel dunkellila Garn, zur Kugel aufgewickelt.

Wolle aus Spanien, vor dem Färben. Wolle aus Spanien im Farbbad, sieht aus wie warmrote Fleischwürmer. Lila Wolle im Farbbad im Topf. Der Löffel, auf dem "Wollöffel" steht, hat einen lila Spitze. abtropfendes lila Garn. Knäuel lavendellila Garn, kreisrund aufgewickelt.
Angefangen, eine kleine Hose zu stricken, weil ich auf die Knöpfe für die Wassermelonenjacke wartete. Die sind jetzt angekommen und ich will nicht mehr rauströdeln, sie fertig zu stricken. Außerdem der Vorsatz, bei diesem Puppen-Sew-Along mitzumachen. Fehlt bloß eine Puppenidee und das passende Material. Als sei das nicht genug, noch der Vorsatz, bei der Tour de Fleece mitzumachen, also während der Tour der France furchtbar viel rumzuspinnen. Ich hab ja frei.

Zwei Garnknäuel, eines helllila, das andere schwarz mit weiß und lilarotblau gemischt liegen neben einem Strickstück, in dem beide Knäuel zu gleichen Teilen verstrickt sind.Knopfleiste einer Strickjacke, die zu einem drittel pink, zu zwei dritteln grün ist. Auf der Knopfleiste liegen wassermelonenförmige Knöpfe, auf der grünen Wolle mit rotem Fruchtfleisch, auf der pinken Wolle mit rosa Fruchtfleisch.

drei, Pflanzen: Gießen muss ich nur innen. Für Außen habe ich bereits überlegt, die Spielzeugfeuerwehr zu rufen, um den Blumenkastenkeller abpumpen zu lassen. Die Kirschzweige, die wir am Barbaratag holten, waren bereits Teil eines Osterstrauches, hielten bunte Plastikeier. Blüten kamen keine, mittlerweile sprießen Blättchen. Jetzt stecken die knospenreichsten Zweige in den Töpfen, in denen nichts so recht wächst, und werden mit Glück ein Baum.

Zwei regenbetropfte helllila Blütenkelche. Das Eck eines Blumenkastens, in dem was Grasiges wächst, das in Wasser ertrinkt. Farn oder sowas, in dessen Mitte ein riiiiiesiger Wassertropfen ruht. Topf, in dem miniminimini-Pflänzchen sprießen und ein kleiner Kirschbaumzwei in der Erde steckt. Sieben große, noch grüne, Erdbeeren. Dunkelgrüne, samtige Farnspitzen, darauf Perlen aus Wassertropen.

vier, Organisation: Das Dachbodenzimmer ist mit den alten Möbeln eingerichtet wie ein Herbergszimmer einer unterklassigen Pension. Tisch, Bett, Stuhl, Schrank. Weder schön noch praktisch, aber das hat Zeit. Den Basteltisch habe ich noch nicht angefasst.
Habe mich endlich nach dem Sprachtest für American Studies erkundigt und mich dafür angemeldet. Mut. Nun die Mammutaufgabe, mich darum zu kümmern, was aus meinem seltsamen Spezialstudiengang ich mir anrechnen lassen kann.
Hier immer noch ausstehend: Kategorien und Links überarbeiten. Neu ausstehend: Wunschliste aufräumen.

fünf, Fötus: Geburtsvorbereitungskurs. Wir bekommen in Details erklärt, was bei normalen Geburten so passiert. Ich will ständig meine eigenen Erfahrungen ergänzen. „Bei mir war das so und so“ und „Bei mir war das anders“. Merke, dass das nicht unbedingt interessant für die anderen Schwangeren ist; ich hatte keine normale Geburt. Alles, was bei mir anders war, lässt sich aus dem Anderssein erklären. Die anderen Schwangeren wissen nicht, dass das Kind die Geburt nicht überlebte. Und trotzdem will ich, dass sie gilt, will, dass sie Teil des Bildes ist.

mysig

Aus einem Urlaub zurück, in dem das Meer um Schwedens Südspitze herum glitzerte; Strumpfhosen in Sandstrand. Ein Urlaub, der mittlerweile ein paar Urlaubslängen weit weg ist. Tüten voll mit Lösgodis, Krähenkrach ohne Ende, Internet städteweit entfernt, aber Arbeit mitgenommen. Eine Sprache sprechen können und so schüchtern sein, dass lieber die vorgehen und Kaffee bestellen sollen, die sie nicht sprechen.  Am Strand von Malmö ziehen sich zwei Menschen aus, rennen über den Steg, springen ins Meer. Es ist kalt, windig und sommerklar. Mit uns kommen die ersten Knospen. Als wir gehen, hinterlassen wir Sträucher grün.

Die Brücke von Kopenhagen nach Malmö weit hinten im Meer, verschwommen in Lichtschimmer. Fußspuren von nassen nackten Füßen auf einem Holzsteg. Weiße Blüten an einem Ast vor abgefahren blauklarem Himmel.Weite Sandstrandfläche, im Hintergrund ein streifen dunkelblaues Meer. Ausschnitt einer weißen Stoffgardine mit Fransen in der Dämmerung

Statue eines Reiters auf einem Pferd in Malmö, dekoriert mit den Schmetterlingen vom Eurovision Song Contest. Volle Tüte mit Süßigkeiten, Innenansicht. Die Tüte macht einen rosa Schimmer. Steg am Wasser,. darauf die Spitzen von gelben Lackschuhen, in denen hellgraue Strumpfhosenbeine stecken, die Sonne reflektiert Sterne auf das dunkle Wasser. Verlassene Selbstbedienungstankstelle vor einem schwedenroten Familienhaus. Zwei freistehende Zapfsäulen ohne Dach, am straßenrand ein Schild auf dem auf Schwedisch "Niedrigpreisbenzin" steht. Verlassener LKW-Anhänger, auf dem "Australian Super Circus Sidney" steht. Blätter und eine Weiße Blüte am Waldboden. Auf einem grünen Blatt sitzt ein Marienkäfer.

Spindelstab und Knäuel aus weißer selbstgesponnener Wolle auf einer pastelligen Tischdecke in weichem Licht. Girl-Power-Beutel von Fräulein Zucker, Aboprämie des Missy Magazins. Elvisstencil am Fuß eines Sockels und im Schatten desselben. Baumsilhouette im Sonnenuntergangsrot. Basthut mit Bastblumen in Beige, der an einem Kleiderhaken an einer grünen Wand hängt. Dachbodenfenster, das wenig Licht auf den dunklen Boden wirft. Da ein paar Isoliermatten auf dem Boden, dortt eine Kiste. Und Gardinen am Fenster.

wip wednesday

eins, Schreiben: Als hätte ich nichts zu sagen. Nichts Literarisches. Keine innere Pflicht und nicht wirklich eine äußere. Ich sollte wieder mit Netbook baden gehen oder spazieren, so wird das nichts. Der Buchtext steckt im Schlusslektorat, es fehlt noch ein Untertitel. Andere Sachtexte brauchen bloß Deadlines. Ich will in die Pflicht genommen werden.

zwei, Selbstmachen: Die verflixte Wolle aus Holland war überraschend schnell fertig und gelang trotz der Verflixtheitheit überraschend fein. Jetzt Wolle aus Spanien auf der Spindel. Morgen hole ich Alaun aus der Apotheke und mache Farbquatsch mit Kochtöpfen.
Der Melonenjacke fehlen noch ein Ärmel und Knöpfe und Kerne, aber das hat Zeit. Sie ist so groß geraten, vielleicht passt sie dem Fötus zum ersten Geburtstag, vielleicht später.
Halber Ausschnitt von einem Stuhl, dessen Lehne komplett mit feinem weißem Garn aufgewickelt ist. Auf dem Sitz liegt eine Handspindel mit etwas gelberen Fasern, die schon angesponnen sind. Kinderstrickjacke mit pinkem Brustteil und Kragen und grünen Rest, da und dort gucken Fäden raus. Ein Ärmel ist grün, der andere Ärmel ist noch nicht gestrickt. Daneben das große grüne Knäuel Wolle. Beides liegt auf hellem Laminatboden.

drei, Pflanzen: Regen und ich muss nicht gießen. Vergesse darüber die Töpfchen im Schreibzimmer und auf dem Küchenfensterbrett. Auf dem Balkon wächst es und ich muss nichts dafür tun. Wundergrün.
Himbeerblätter im Abendlicht im Vordergrund. Dahinter verschwommene Teelichter auf dem Balkongeländer und viel wachsendes Grün. Lavendelfarbene Blüten in verschwommenem Grün im Abendlicht. In der Bildmitte ein Tropfen Wasser an einm Blatt, scharf. Drei neublühende milchweiße Blüten, aus denen mal Paprika werden.Zwei Töpfe in einem Balkonhängegestell und da wachsen miniminimini-Blättchen. Wirklich nur mini. (Naja. Manches hängt nicht prachtvoll über Topfränder und Geländer sondern nur hinterher.)

vier, Organisation: Auch Arbeit an Räumen. Ein frisch gestrichenenes Dachbodenzimmer, das mal eine Werkstatt, mal mein Jugendzimmer, mal Abstellraum und zuletzt Gästezimmer war, soll wieder Gästezimmer werden, aber schlauer und schöner eingerichtet. Der Basteltisch im Schlafzimmer gehört aufgeräumt und organisiert. Und oh oh oh, da ist noch eine ungeklärte Studiensituation.
Ein weißer Schreibtisch, vollgestapelt mit Zeug und Kram und Kisten, Bastelsachen, eine Lampe, Postkarten und Glitzertuben. Links davon ein weißes Ikea-CD-Regal, eion bisschen aufgeräumter, darin Kleber und Scheren und Einmachgläser mit Krimskrams. Oben drüber ein weißer Schrank an der Wand, beide Türen verschlossen, endlich was, das ordentlich aussieht.

fünf, Fötus: Kein Aquarium mehr im Bauch, das mal gluckert und mal nicht. Jetzt sieht man von außen, wenn sich was dreht, kann die Hand drauf legen und anklopfen. „Duhu, mach mal was“ funktioniert immer besser. Der Bauch jetzt so groß wie im 10. Monat der letzten Schwangerschaft. Er wird noch drei Monate im Weg liegen. Auch anders so ein Unterschied zum letzten Mal. Weil ich nicht mehr jeden Tag breche. Weil wir uns auf ein Kind vorbreiten, das bleibt, uns zu Kinderwägen statt Särgen beraten lassen, uns von Eltern helfen lassen statt von einem Kinderhospizteam. Still weird, this way.

wip wednesday

eins: Die exciting news to come sind aufgelöst, in anderer Form als gedacht, aber immer noch exciting und hui und hurra! Ich schreibe jetzt fest für kleinerdrei. Was leider gerade ganz weit weg ist, ist das literarische Schreiben und das ist gemein, findet Anfang Juli doch eine Lieraturhauslesung statt. Keine Deadline nah genug. Andere Sachtexte viel dringender.

zwei: Sterne aufgefädelt und Wolle aus Schottland damit verzwirnt. Den Coburger Fuchs fertig gemacht, schaut aus wie Haselnussschaum. Jetzt sitz ich an Wolle aus Holland, die nicht gut geht, die Spindel kracht ständig auf den Boden. Fange lieber an, was zu stricken, das ist zuverlässiger, nicht so krånglig. Wassermelonengarn für wassermelonige Sachen.

Hellgraues Knäuel Wolle mit metallischen Plastiksternchen darinGarnbündel hellbraune Wolle, das auf einem Brikenholztisch liegt Kleines Knäuel pinkes Garn, großes Garn dunkeltürkises Garn, Nahaufnahme, nur ein ausschnitt beider Knäuel

drei: Die Chili- und Tomatenkeimlinge in die großen Erdsäcke gesetzt. Die grünen Becher sind ins Schreibzimmer umgezogen. Damit die Verantwortung, regelmäßig zu gießen, mich mindestens so regelmäßig dahin zieht.
Tomaten- und Basilikumkeimlinge in Erde, die sich in einem graubraunen Plastiksack befindetBlühende Blaukönigin, aber eigentlich ist sie lila, nicht blau. Fensterbank vor gekipptem Fenster, auf der Fensterbank sechs grüne Becher mit noch wachsenden Kräutern, ein Töpfchen und zwei bunter Becher mit Keimlingen, die ich nicht identifizieren kann. Unter der Fensterbank eine Heizung, am Griff des gekippten Fensters ein hellgrünes Windlicht aus Steingut.Nahaufnahme der Paprikapflanze, zwei gut wachsende, helle Paprikaknospen Chilikeimlinge in Erde

vier: nix neues.

Preise

Glitzerkonfetti und Pompoms Nr. 1

Jasna, Anne und ich sind mit #aufschrei für den Grimme Online Award in der Kategorie SPEZIAL nominiert, zusammen mit so tollen Initiativen wie den Leidmedien und dem migrantenstadl. Für den Publikumspreis abstimmen könnt ihr bis zum 13. Juni hier.

Pompoms und Glitzerkonfetti Nr. 2

Die Fraktion ELF Piraten der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung haben mich stellvertretend für #aufschrei für den Tony-Sender-Preis der Stadt Frankfurt vorgeschlagen.

This feels weird. Eigentlich möchte ich mich lieber an den Rand stellen und von da aus zugucken, statt Promo-Fähnchen für mich zu schwingen, will den Ausgang nicht beeinflussen und mich lieber überraschen lassen. Doch als ich heute gefragt wurde, ob ich mich denn nicht freue, ging mir was auf: Menschen haben sich Mühe gegeben und dafür gearbeitet, dass es diese Nominierung und Einreichung gibt, haben recherchiert und Texte geschrieben. Ich will das wertschätzen und Danke sagen und überhaupt. Das sind keine Selbstverständlichkeiten, das sind Komplimente, die mich ganz warm und leicht und rotwangig machen. I’m indebted joyfully.

Oh, Glitzerpompoms Nr. 3

Preisträgerin beim Literaturforum Hessen-Thüringen geworden, mit einem Text, den ich nicht leiden kann. Aber hey, letzte Gelegenheit gewesen und es hat endlich geklappt.

wip wednesday

eins: Kein Text in Zwischenzustand, eher ein Zwischenraum, in den Text eingedacht wird. Der Wunsch zu bloggen, viel Inhalt zu droppen. Zeit für eine Liste und endlich mal abhaken. Ich will nur immer geheimnisvoll tun, ehe da richtige Arbeit passiert ist. Und lieber mit Tadaaa ankündigen, wenn sie fertig ist. Work in Progress als Work in Progress. Der Text für dieses Buch befindet sich im Lektorat, ein Artikel darüber, was #aufschrei gebracht hat, erscheint im Sommer bei Wir Frauen.

zwei: Ich kanns! Fliegend spinnen und alles geht schnell, geht geschmeidig, macht heiter. Und einen Muskelkater vom Armhochhalten. Ich sponn, wickelte, zwirnte und wusch mein erstes Garn aus Eiderwolle.  Jetzt häng ich an Coburger Fuchs und verzwirne ihn mit Industriewolle.

Blick vom Sitzen auf die Decke auf meinem Schoß, einer dick mit verzwirntem Garn behongenen Spindel und zwei Fäden gesponnener Eiderwolle, die aus zwei Enden eines Knäuels kommen, das auf Holzterassenboden rumliegt. Nahaufnahme eines Strangs verzwirnter Eiderwolle, die auf den Beinen eines umgedrehten Holzhockers so rundherum aufgespannt wurde.Fertiges Eiderwollgarn als Knäuel in Nahaufnahme, liegt auf einem Hintergrund aus lila Tüll.Mit verzwirntem Garn gefüllte Spindel liegt zwischen einem hellbraunen Polyacrylgarn und frisch gesponnener und unsauber aufgewickelter Wolle vom Coburger Fuchs auf einem Balkontischchen rum. Wenn man genau hinguckt, sieht es so aus, als seien bei dem verzwirnten Garn die Stellen, an denen man das hellbraune Garn sieht, kleine Maden anstelle von Garn. Bäh.

drei: Während wir eine Urlaubsreise machten, wurden die Pflanzen nachbarschaftlich verpflegt. Einige haben es nicht überlebt (I’m looking at you, Keimlinge!), andere sind nicht wiederzuerkennen, so groß sind sie geworden. Überhaupt: die Stadt blüht, sommergrünes Meer, honignachverduftet.

Nahaufnahme von zwei Metallblumentöpfen, in denen Petersilienkeimlinge gut vor sich hinwachsen, links dichter als rechts.Winterheckzwiebelkeimlinge in einem Blumenkasten auf dem ein Aufkleber mit dem Wort "Winterheckzwiebeln" klebt.Tomatensetzlinge, bei denen alles super duper ist.Lila Blumen, deren Namen mir gerade nicht einfällt. Das Lila ist sehr fein, fast weiß, die Blüten sind fünfsterning.Nahaufnahme von Paprikablättern und den Knospen, aus denen hoffentlich mal Blüten und dann Früchte werden. Im Hintergrund schimmert das Parikaschildchen verschwommen hinter den Blättern vor.Gestorbene Korianderkeime. Haben sich in Richtung Sonne ausgestreckt und sind dann umgefallen, liegen jetzt dünn rum, einige immernoch mit der Samenkappe an den Blättchen.

vier: Alles chillig im Fötusland. Der Bauch mittlerweile so groß, dass der Markthändler aus dem well known fact, dass nicht pasteurisierte Käse böse sind, ein Public Service Announcement macht, mit bei welcher Temperatur welcher wie bearbeitete Käse für mich noch klar geht. Aww, thanks man.

wip wednesday

eins: Ich bin im Verzug. Klemme noch in einem Text fest, der in dieser Aufzählung eigentlich nicht vorkommen dürfte. Muss den beenden, ehe der Rest folgen kann, der ebenso drängt. Erinnert worden, so zu schreiben, wie ich es selbst gerne lesen würde (d’uh), daran erkannt, dass ich aufhören muss, Inhalt und Struktur rumzuschubsen, sondern schöne und klare Sätze zu bauen. Und immer wieder Ideen für neue Texte.

zwei: Ich spinne. Es funktioniert. So irgendwie. Ich kann gleichmäßige Fäden spinnen, aber langsamst; park & draft. Mir gelingt nicht, die Fasern so auszuziehen, dass ich sie fliegend verdrehen kann, begreife noch nicht, was ich wie mit den Fingern machen muss, aber es ist nah, dieser Klickmoment, er kitzelt mich und zischt dann ab. Was ist der Trick? Wolle aus Schottland gesponnen und aufgewickelt, werde sie vielleicht mit Bindfäden verzwirnen. Eiderwolle auf der Spindel. Färben, mit sich selbst oder was Dunklem verzwirnen?

Ein Korb, in dem sich eine Papiertüte, ein Bausch Fasern aus cremeweißer Eiderwolle und eine Handspindel befindet, die zur Hälfte mit Eiderwolle vollgesponnen ist.frisch versponnene Wollfasern in dunklen Sandfarben um die Lehne eines Kieferstuhls gewickelt

drei: Ich gieße. Es wächst. Juchu. Zuwachs auch aus dem Familiengarten. Wir besuchen die Eltern des Wunderbären, um mit Fotos anzugeben und gehen mit neuen Töpfen heim. Thymian, Estragon, Oregano, Zitronenmelisse und, wie wunderbar, Himbeeren. Das nächste mal nehmen wir Waldmeister mit.
Konrblumenkeimlinge, die firsch aus dunkler Erde wachsen.Drei Töpfen, aus denen runde Keimlinge wachsen, von denen ich selbst nicht weiß, was sie sind. Zwei Töpfchen sind eigentlich bunte Pappbecher auf dem Balkonboden, auf denen Party steht. Ich bin neugierig, was das wird.Zwei Erdbeerblüten im Schatten von großen Erdbeerblättern.

Ausschnitt von vier eng aneinanderstehenden grüne Pappbechern mit unterschiedlichen  Keimlingen drin.

Vier Chilipflanzensetzlinge, die gerade erst keimen und noch ihre Saathülle an den Blattspitzchen hängen haben.

vier: Ich singe. An meinem Fööötus ist alles dran, damit so leeeicht nichts passieren kann… Erster Ultraschall, die Ärztin sagte zu jedem Organ fein. Plötzlich diese absurde Vorstellung, sich in einer Schwangerschaft darauf vorzubereiten, ein Kind zu behalten, es ewig an der Backe zu haben. Zeit für neue Ängste.

fünf: Ich schrieb hier das erste Mal Bildbeschreibungen dazu. Dieses Blog ist auf dem weitem Weg, zugänglicher zu werden. Sind Sachen zu ändern, die schöner werden sollen, die inhaltlich nicht stimmen und ui, wie viel, was versperrt ist und ich sehe es nicht. Wenn ihr was seht, was anders werden soll, damit ihr besser mitlesen könnt und andere auch, kommentiert. Ich hab ein Brett vor dem Kopf und muss es erst weglesen.

(Die nächsten zwei Wochen ein Urlaub in einem schwedischen Ferienhaus, einen Korb voll Arbeit mitzunehmen.)

wip wednesday

eins: Übers Schreiben schreiben, um ins Schreiben zu kommen. Noch steckt das Meiste im To-do-Listen-Status. Ein Essay für eine Anthologie und ein kürzerer Beitrag zu #aufschrei, ein Blogtext zur Piratinnenkon, ein Text übers Heiraten für <3 (exciting news to come!) und einer für den Round Table on Names. Mal wieder eine Kurzgeschichte? Lang vermisst in Schreibprozessen zu stecken bis die Finger kribbeln, weil Sätze ineinander passen, jetzt so viele Gelegenheiten und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wo soll ich anfangen? First things first.

zwei: Kleine Sachen stricken, die so schnell fertig sind, dass sie sich nicht als work in progress eignen. Dafür das:

Wollfasern und Handspindel


drei:
Endlich Saat in Erde gesetzt. So sehr Sehnsucht danach gehabt, so arg lang gewartet, dass ich jetzt überrumpelt davon bin, wie die Bäume plötzlich knospen, wie schnell es hier keimt. Huch.
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(vier: Wenn Arbeit nur daraus besteht, zu gießen und zu warten. So wünsch ich mir Schwangerschaften. Der Fötus wächst, fühlt sich an wie ein Aquarium. Gestern ein neuer Rekord, 9 mal innerhalb eines Tages gebrochen. So ist Gießen nicht gemeint.)

complexity of compliments

Eine Parteiveranstaltung, später Abend. Ich sitze mit einer Freundin am Tisch, nur wir beide, die meisten Menschen sind schon gegangen. Wir machen uns Komplimente, wir lachen, da kommt ein alter Mann mit Weinglas. Er setzt sich zu uns, ohne zu fragen, wir kennen ihn nicht. Er beginnt zu erzählen und ich bin skeptisch. Er ist angetrunken und ich vermute Aufdringlichkeit. Er holt aus: wie er sich vorher mit Hilmar Hoffman unterhalten habe, der sei ja schon 87, das müsse man sich mal vorstellen, 87! Ich denke, komm zum Punkt, denke, was willst du von uns? Na, und der Hilmar Hoffmann, was der alles geleistet habe, na, und als er vorhin mit ihm sprach, da habe Hilmar Hoffman ihm gesagt, dass gar keine schönen Frauen auf dieser Veranstaltung seien. Ach wirklich? Ich ahne, was das wird, ich kann fast voraussagen, was als nächstes kommt. Da habe er (der jetzt bei uns sitzt) widersprechen müssen, ZWEI schöne Frauen habe er gesehen. Dem Hilmar habe er sie nicht zeigen können, der konnte sie leider nicht sehen, hehe, aber die zwei schönen jungen Frauen sitzen jetzt vor ihm (der jetzt bei uns sitzt). Er holt Flyer seines Vereins raus (Kultur für alle, fyi), ich habe kein Interesse an seiner Anwesenheit, lächle nicht und verschränke die Arme. Die Freundin lächelt, sie lächelt so gut wie immer, ist auf eine Weise höflich und lieb, die ich bei Fremden aufgegeben habe. Er merkt das, versucht, lieber sie anzusprechen, sagt, er sei kein Staubsaugervertreter. Ich sage: „Und wir sind nicht zur Dekoration hier.“ Ich bin genervt. Er steht auf, sagt „Ich geh ja schon, ich geh ja schon“, ist pampig „Man wird doch wohl noch ein Kompliment machen dürfen!“ und ich staune. Menschen sagen das in echt? Dann erklärt er noch, dass man ihm auch sagen solle?dürfe?, wenn er hässlich sei, aber diese Chance nehme ich nicht wahr.
Sie und ich setzen unser eigenes Komplimentefest fort, sie bedankt sich dafür, wie ich auf ihn reagiert habe, fand ihn ebenfalls unangenehm und ist froh, dass er weg ist.

(ich bin allen dankbar, die unter #aufschrei und darüber hinaus ihre Geschichten geteilt haben, weil sie mich schulten, sowas schneller zu erkennen, weil sie mir Mut machten, so einen Quatsch nicht zu akzeptieren. Take no shit, no more.)

Für die, die es nicht verstanden haben. Was er gemacht hat, mag vielleicht als Kompliment gemeint gewesen sein (wir wissen: intent isn’t magic), war aber keines. Die erste Unhöflichkeit war, die vielen anderen Frauen auf der Veranstaltung nicht als schön anzuerkennen, politisch aktive Frauen, Frauen, die ihre Schönheit durch ihr Selbstbewusstsein ausstrahlen, die leuchten. Die andere war seine Herangehensweise. Die zwei sind alleine, ich setz mich mal dazu und drück ihnen meinen Kommentar zu ihrem Aussehen auf, erzähl ihnen, wie ich mich mit anderen über ihr Aussehen unterhalten habe, setze voraus, dass sie das interessiert, interessiere mich nicht dafür, ob sie das interessiert. Das ist respektlos, creepy, objektifizierend. Das ist kein Kompliment, sondern eine unangenehme Anmache. Er hätte das nicht gebracht, wenn ein anderer Mann dabeigewesen wäre, darauf verwette ich meinen ersten selbstverdienten Kreuzer.

Als ich bei SternTV auf die Frage, ob Komplimente sexistisch seien, nicht mit nein antwortete (kann man hier nachgucken, ich werde das aber nicht tun, kann also nicht Wort für Wort wiedergeben, was ich da gesagt habe), bekam ich dafür Haue und Kopfschütteln, schon im Studio. Dass man in einem 8-Minuten-Beitrag, der sich wie 4 anfühlt, nicht gut differenziert erklären kann, geschenkt. Die Menschen, die mir wichtig sind, haben es verstanden. Trotzdem beschäftigt mich das „Darf man jetzt keine Komplimente mehr machen1!einsölf“-Meme immer noch. Was ist eigentlich ein Kompliment? Wann ist ein Kompliment ein Kompliment? Was macht ein Kompliment gut? Und was macht ein Kompliment sexistisch?

Ein ziemlich gewöhnliche Methode, Komplimente sexistisch zu machen, ist sie in einem falschen Setting zu geben. Das finde ich fast eine Nummer fieser als ein offensichtlich unangebrachtes „Geile Titten“ in Bürozusammenhängen, das sich leicht nicht nur als sexistisch sondern auch als sexuelle Belästigung benennen lässt. Sexistisch ist auch, nach einem Vortrag, in einer Situation, in der man inhaltlich ernstgenommen werden will, fürs Aussehen gelobt zu werden. Und wenn es nur so etwas ist wie „Warst du beim Friseur? Sieht gut aus!“; das lenkt ab, verunsichert gegebenenfalls, ist respektlos.
Davon abgesehen halte ich Komplimente über das Aussehen von Frauen insofern für sexistisch, als dass Frauen von Kleinkind am meisten dafür gelobt werden, wie sie aussehen, als sei es der förderungswürdigste Wert an ihnen, sie wachsen damit auf, nach ihrem Aussehen beurteilt zu werden, lernen, dass es ständig zu optimieren sei. Auch durch Komplimente. Sexist & fucking annoying.

Ich bekomme gerne Komplimente. Die liebsten haben mit Sachen zu tun, die ich kann, die etwas darüber sagen, was für eine Person ich bin. Nicht alle Komplimente, die sich auf mein Aussiehen beziehen, finde ich hmpf. Für meinen blauen Mantel bekomme ich oft Lob. Das mag ich, weil es weniger nur ein Kompliment für mein Aussehen ist, eher eines für meine Wahl, meinen Geschmack.
Ich gebe gerne Komplimente. Ich mag viele Menschen sehr, ich sage ihnen gerne, dass ich sie mag, was ich an ihnen mag. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass wenn ich konkrete Komplimente mache (wie „ich finde schön, wie du gerade deine Hand hältst“), Menschen sofort aufhören, das zu machen, wofür ich sie komplimentete. Wie Komplimente auf eine blöde Weise selbst_bewusst machen, dazu führen, dass man sich mit dem eigenen Aussehen beschäftigt, obwohl man gerade in was ganz anderem war.
Auch mir ist es schon passiert, dass ich Komplimente gegeben habe, die anderen unangenehm waren. Weil sich jemand nicht ernstgenommen fühlte oder das Gefühl hatte, ich höre nicht zu, weil es sich möglicherweise zu intim und aufdringlich angefühlt hat, weil jemand sich auf etwas aufmerksam gemacht sah, dass ihm_ihr unangenehm war. Dann habe ich mich im besten Fall entschuldigt. Aber nicht die Unterlippe vorgeklappt und mit „Aber das war doch nur ein Kompliment“ versucht, meinem Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu machen.

Nur weil etwas ein Kompliment ist, ist es nicht gut. Das reicht nicht. Komplimente sind eine komplexe Angelegenheit mit freaking vielen Nuancen.
„Darf ich denn jetzt keine Komplimente mehr machen?“
Ich will und kann niemandem was verbieten. Aber ich wünsche mir, dass wir reflektieren, wann wir wem wie Komplimente machen. Unser Gespür schulen. Dafür würde ich sogar Kekse verteilen.

Empfehlung: Fiann schrieb einen klugen Text zu guten Manieren und der sexistischen Dimension von Benevolenz.

Lesepflicht für alle die skeptisch sind: Why You Shouldn’t Tell That Random Girl On The Street That She’s Hot