5.5.

Heute mal nicht um vier Uhr ins Bett gehen, sondern um zwei, heute mal nicht die Texte fertig lesen mit müde verklebten Augen, sondern darauf bauen, dass sie morgen wieder aufgehen, die Seiten morgen wieder aufgehen, der Textmarkerdeckel wieder aufgeht. Nach dem Schlafsand den Abfluss runtergeperlt sein wird.

Jetzt alles liegen lassen, ein Stockwerk nach unten gehen, vom Dachbodenzimmer ins Treppenhaus, die Wohnung aufschließen, die Decke aufdecken und hoffen auf Kaffee, darauf, dass sechs Stunden Schlaf reichen. In der Nacht von Montag auf Dienstag werden es weniger sein, aber mehr geschriebene Sätze, eine Deadline. Mehr zu lesen davor. Mehr zu machen im Garten, aber wann. Jetzt alles liegen lassen, nicht zuletzt mich.

4.5.

Ich bin hier nur, um Bescheid zu sagen, dass ich gleich wieder weg muss. Es ist vier Uhr morgens und ich habe die letzten vier Stunden den Erstentwurf einer Kurzgeschichte runtergeschrieben. Wie geht das. Davor innerhalb von 45 Minuten zwei wissenschaftliche Texte gelesen (okay, na gut, überflogen) und Fragen dazu formuliert, abegeben eine Minute vor Deadline. Wie das geht. Morgen noch ein Response Paper zu einem feministischen Essay schreiben & we‘re good to go. Das geht schon alles.

3.5.

Ein Wochenende in Aussicht mit wenig Lohnarbeit, überschaubar viel Gartenarbeit und viel ungewisser Schreibarbeit. Eine Kurzgeschichte schreiben bis nächsten Dienstag. Das heißt, nicht nächsten Dienstag eine Kurzgeschichte schreiben, das heißt jetzt alle Waffen sammeln, schmelzen, neu. Ich weiß noch nicht was, worüber, nur das eine hier Geübte: ich mach, was ich mag. Nur das. Diesmal kein Mühe geben in Richtung alles anders als ich bin, only to prove a point. Eine Kurzgeschichte schreiben für mich und noch ein paar andere Sachen für Credit Points. Screen Time, für die ich mich konzentrieren muss.

2.5.

Wenn man einen Satz dreimal lesen muss, weil a) die Augen klebeschwer sind oder b) die Konzentration nur noch mit Spucke fährt, ist es c) Zeit ins Bett zu gehen. Hier hängt alles hinterher. Hausaufgaben gelesen, aber nicht so bearbeitet, dass ich morgen früh sicher aus dem Haus Richtung U-Bahn schlendere. Eher so, dass ich dort lieber hinten säße, aber dann machen wir sicher Gruppenarbeit. Ich weiß gar nicht, was man mit dem Text, der fast ausschließlich eine Faktensammlung ist, mehr machen soll als eine Gruppenarbeit, man kann ja nicht jedesmal die gleiche Gruppenarbeit machen. Grupenarbeiten machen mich immer noch nervös, aber ich spürs weniger, je müder ich bin. Ich perform auch nicht besser müde. Naja, Kompromisse. Wie: Texte lesen, aber die Küche ignorieren. Hausaufgaben machen, aber spätestmöglich. Frühestmöglich die Kinder ins Bett bringen, was spät genug ist. Fast Food, weil in der Küche kein Platz für Geschirr ist, das hatten wir schon. Und jetzt ins Bett, obwohl ich noch Vokabeln nachschlagen, einen Kürzelindex anlegen, Personen und Sachverhalte recherchieren sollte. Ich könnte hier einschlafen, auf den Knien vorm Sofa, das Kinn auf einem Sofakissen, mehr und mehr der ganze Kopf darin vergraben. Keine Kompromisse: ich gehe ins jetzt Bett.

1.5.

Feiertag, das heißt Arbeitstag, ich bin Sonntagsarbeiterin. Tag der Arbeit, darüber kann man ja diesen und jenen Gedanken haben. Am härtesten erarbeitet war heute mein Ausschlafen. Wach vom kleinen Kind, das sich zwischen das große Kind und mich schob, zu dritt auf 90 Zentimetern, und ich zu müde, um um sechs Uhr noch mal einzuschlafen, den halben Körper über den Matratzenrand geschoben. Manchmal stehe ich um sechs Uhr auf und bin froh über die Gelegenheit, Vormittagsstunden für mich zu habe. Heute nicht. Ich muss ein Schlafdefizit ausgleichen. Heute stapfe ich also ins Schlafzimmer, empört, verlange Ausschlafzeit, die ich auch zugestanden bekomme, vom anderen Erwachsenen, aber nicht vom kleinen Kind, das nur schreit und sich verbiegt. Auch nicht, na meinetwegen, mit mir im großen Bett im Schlafzimmer sein will. Nur schreien und sich verbiegen. Der Trick: das schreiende Kind auf den morgenkalten Balkon mitnehmen und es atmet und biegt sich nicht. Es guckt: Ein Vogel. Ein Hund. Bäume. Danach, drinnen, noch ein Aufbäumen, es nimmt, nicht von mir, die Milch, und ich den Weg ins Bett. Immer wieder aufgewacht, aber zwischendrin so warm zugedeckt, mein Körper eine Pralinenfüllung, in Schichten gewickelt. Ausgeschlafen.

30.4.

Mit wieviel Stunden Stunden Schlaf funktioniert dieses Betriebssystem ohne Schäden? Oder mit wie wenig? Heute, aus Mangel heraus, mittelmäßige Denkarbeit gemacht und den Körper gelehnt an eine rau gestrichene Grenze: so sieht es aus, wenn man nicht genug Zeit hat. Konkret: Hausaufgaben machen, wenn die Kinder schlafen, aber selbst nicht schlafen, um Hausaufgaben zu machen. Danach im Dunkeln Kleidung raussuchen für den zweiten Akt der Kitafotografiererei, Bodyberge stapeln und Farben kombinieren für ein Kind in sich und beide Kinder nebeneinander. Dafür, dass das kleine Kind heute wieder so schrie, dafür, dass es deshalb keine Fotos gab, und ein Gruppenbild nur mit Tränen. Sich nachts oder frühmorgens in die Stoffhügel hineinlegen wollen, aber doch noch den Weg ins Bett finden, neben’s Kind. Nicht umziehen, nur die Schuhe aus, und sechs gestellte Wecker im Puppenbett daneben. Die schwere Grenze: So sieht es aus, wenn man Texte abarbeitet, aber nicht genau genug, um im Seminar etwas zu sagen, was scheint. Ich muss das aushalten üben. Auch halbe Sachen sagen. Auch wahrnehmen, wo ich das nicht tun sollte. Mehr Mühe geben, will ich immer sagen, schreibe ich seit Klasse acht ins Notizbuch, nie gut genug, es ist ein Motto. Aber anders. Mehr Mühe geben, das heißt auch, mehr schlafen, um wacher zu sein.

29.4.

Während ich noch mit mir selbst diskutiere, ob ich schlafen gehen soll oder nicht, weil ich eben vier Stunden für eine Hausaufgabe gebraucht habe, zu lang, weil müde, vertrödelt, das neue Album von Caroline Shaw zu laut neben mir, während ich überlege, ob ich meine andere Hausaufgabe für morgen gleich mache oder nach einer großen Portion Nudeln in Salbeibutter, letztere frisch eingefroren, während ich überlege, was ich den Kindern morgen früh für den zweiten Teil der Kitafotografirerei anziehen soll, ich bringe sie in die Kita und muss topfrüh wach sein, ich könnte wach bleiben und das nicht verpassen, während ich also all das vor mich lege, fallen mir die Augen zu. Lege ich den Kopf mit den Augen voran auf den Schreibtisch. Es ist halb drei und ich weiß nicht, ob ich mich mit Gewalt wachhalten kann oder doch zu kurz schlafen will, mit dem Risiko auf Stress und hastige Entscheidungen, aber es bleibt wahr: ich bin nicht gewalttätig genug, ich bin ein weicher Blob, der nachgiebig in alle Lücken schwappt. Also schlafen und also warum hab ich das nicht vorher und also ein Klingeln im linken Ohr es singt mich in  die Stille.