10.1.

 

Erkenntnisse

1) Ich hab mich neulich gefragt, warum es in der Krabbelstube immer ordentlich ist, aber bei mir nicht, obwohl da viel mehr Kinder sind. Die Antwort: Es sind halt mehr Erwachsene. Die müssen nicht kochen, die müssen nicht nebenbei Kontostand checken, die werden dafür bezahlt, nicht nebenbei Kontostand zu checken. Während eine_r ein Kind wickeln geht, ist da ja noch ein_e andere_r, di_er den anderen Kindern vorliest. Während eine_r die Kinder in den Schlaf begleitet, kann di_er andere die Flecken von Kleinkindmittagessen beseitigen. Der Trick heißt Arbeitsteilung. Arbeitsteilung mit sich selbst ist schwierig.

2) Gestern gedacht und geschrieben, wir sollten mehr offen legen, was wir an im Haushalt (nicht) machen. Heute gedacht, dass das aber auch Arbeit ist, man muss es ja vorher dokumentieren. Und das ist mir grad zu viel Arbeit. Lieber ab und zu eine Story vom zugerümpelten Wohnzimmer posten. #sagenwasist

3) Das Wonzimmer hat einen fast fertigen neuen Schrank. Damit es luftiger wird. Aber darauf dominiert jetzt breit und schwarz der Fernseher. Und so wie die Schrankteile verbunden sind, ist es doch wieder eine Schrankwand. In letzter Zeit muss ich mehr nachdenken über Schrankwände und Klassenzugehörigkeit und den Habitus von Dingen. Doch noch ohne Erkenntis. Oder, Moment, da war was:

3) Minimalismus ist ein ziemliches Luxusding, no news, aber ich habe was Neues herausgefunden: Ein Trick, der Minimalismus noch leichter macht, wenn man die Mittel hat, und fast unmöglich ohne: um eine Wohnung leer und minimalistisch aussehen zu lassen, braucht man einfach eine große Wohnung. Tadaaa. Je größer, desto besser. Ich geh daraus jetzt einen Minimalismus-Ratgeber schreiben.

 

9.1.

Die Sprachlern-App, die ich benutze, funktioniert wie ein Computerspiel, ich arbeite mich von Level zu Level, bekomme Belohnungen für jeden Tag, den ich am Stück übe. Ich habe meine Einstellungen auf das schwerste Level hochkorrigiert, das sind 5 kleine Lektionen am Tag. Und heute, gerade eben, eine Minute nach Mitternacht, habe ich die 5. Lektion abgeschlossen. Genau eine Minute zu spät. Jetzt bin ich wieder bei Null. Eigentlich wollte ich nicht mehr nach Mitternacht Rumänisch üben. Sondern schlafen. Dann stattdessen tags das so dazwischen schieben. Hat nicht geklappt.

Stattdessen habe ich Schränke abgeschraubt, verschoben, Schränke aufgebaut, rumgeschoben. Es sind Supersaubermach-Themenwochen! Marie Kondo und Consumed auf Netflix, Aufräumchallenges auf Instagram, unter anderem. Das ist ein bisschen Jahreswechsel und sicher ein bisschen Zufall. Aber die Serien sind eine schöne Gelegenheit für viele Beobachtungen zu Geschlecht und unsichtbarer Arbeit. Wie alles rund um Aufräumen Geschlechterhältnisse und Geschlechternormen nur verfestigt. Ich mein, eh klar, Aufräumen als Akt an sich, Ordnung herstellen, ist nichts Subversives. Aber wow, die einzelnen Folgen sind ganz schön in the face. Der Mann, der bei Tidying Up with Marie Kondo von morgens bis abends für seine Lohnarbeit aus dem Haus ist, während seine Frau zwei kleine Kinder versorgt, eins davon stillt, einen Nebenjob hat und mit Aufräumen nicht hinterherkommt. Und dann kommt ihr Mann heim und macht Stress, weil es unordentlich ist. Während er auf seiner Arbeit sicher ohne Gesellschaft auf die Toilette konnte und das Geschirr seines Mittagessens nicht selbst spülen musste, wetten? Ich war nicht die einzige, die sich gefragt hat, wann er endlich magic gecleant werde, weil er definitiv keinen Joy sparkt.

Aber abgesehen von Arschloch-Ehemännern, immer schwingt mit, dass es die Verantwortung von Frauen ist, das Haus ordentlich zu halten. Wenn sie das allein nicht schaffen, schämen sie sich. Bei Aufgaben, die man allein gar nicht schaffen kann.  Während Männer, die im Haushalt wenig beitragen, ebenso wenig hinterfragt werden, wie sie beitragen. Der spiegelverkehrte Fall (bei Consumed), dass eine Frau wenig bis nichts im Haushalt macht, während ihr Mann fast alles macht. Und dann wird sie in die Küche geführt und gefragt, warum. Und nochmal gefragt und nochmal. Die Geschlechterverhältnisse, nicht nur in den Familien, auch im Film-Framing.

Vor Jahren habe ich für ein Uni-Seminar zum Thema Arbeit eine Fallstudie gelesen, in der ein Paar bezüglich der Arbeit, die es im und ums Haus herum machen, genau beobachtet wurde, die Stundenzahl ihrer Aktivitäten gezählt und verglichen. Das Interessanteste daran war, wie sehr diese Messung dem in Interviews geäußerten Selbstbild widersprach. So dass ich mir manchmal wünsche, auch mal beobachtet zu werden, ohne Judgement, nur so, dass ich meine Eigenwahrnehmung in klaren Messwerten spiegeln kann. Wie gerecht oder ungerecht ich die Verteilung der Hausarbeit finde, hat mehr mit der Tageszeit zu tun als mit tatsächlichen Arbeitszeiten, vermute ich.

Und dann ist da Arbeit in der Serie, im Leben der Protagonist_innen, die man nicht sieht, aber ich bin sicher, dass es sie gegeben hat. Irgendjemand muss sich um die Kleinkinder gekümmert haben, während deren Eltern ihren Kram aussortierten. Das schwule Paar, bei dem beide so Schwierigkeiten mit ihrem Kleiderschrank und ihrem Papierkram hatten, aber sonst eine super saubere Wohnung – putzen lässt sich leichter outsourcen als Schrankinhalte zu organisieren, I assume they did that. Darüber, und auch über Kinderbetreuung wird nicht gesprochen, wer macht eigentlich diese Arbeit.

Naja. Mag klingen wie faltige, ausgeleierte Debatten, ist aber noch lang nicht gelutscht, der Drops. We need to talk about this. Offen sein über das, was wir machen und was wir schaffen und warum es bei uns so aussieht, wie aussieht. Also wirklich. Warum es sauber ist, warum es ordentlich ist, oder halt nicht. Who made the magic happen.

 

8.1.

So dringender Hunger, ich esse Pesto roh mit der Gabel aus dem Glas, weil ich nicht warten will, bis meine Convenience-Packung Nudeln mit Käsesoße sich von Pulver in eine warme weiche Mahlzeit verwandelt hat. Ich weiß auch nicht, wieviel Zeit ich habe, ehe das kleine Kind auf dem Sofa wieder ein kleines waches Kind ist.

Während es schläft, will ich die letzten beiden Wohnzimmerschränke leerräumen. Ein neuer Schrank soll her und fünf von acht alten Kieferquadern sind schon abmontiert. Drei tragen übergangsweise den Fernseher, zwei dürfen in meinem Arbeitszimmer (mehr Arbeit als Zimmer) weiterleben.

In den vollen Schränken stapelt sich Papierkram, Erinnerungsmaterial. Je eine Babykiste von L., R., T. und je eine von mir und meinem Bruder, darin unter anderem 30 Jahre alter Würfelzucker aus der Wöchner_innenstation.

In den vollen Schränken stehen festliche Gläser. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich mehr brauche: 5 zueinanderpassende simple Weingläser, zwei etwas größere Weingläser, noch mit Sticker und einer Form, die mich ahnen lässt, die Gläser haben in ihrer Jugend Ballett gemacht, oder eins mit ebenjenem Habitus, aber viel größer. Wenn man was beweisen muss, oder für Insta-Posts mit dem Hashtag #winemom. Habe ich schon gesagt, dass ich eigentlich keinen Wein trinke?

In den vollen Schränken stapeln sich Kunstwerke, vor allem von großen Kind. Kleinkram. Schräubchen. Seifenblasenpackungen und Dias. Verfallene Briefe. Alles, was mal oben abgelegt wurde, damit Kinderhände es nicht erreichen. Sozusagen die miscellaneous items der miscellaneaous items.

Ich bin guter Dinge, das gleich zu schaffen. Sind ja vor allem gute Dinge, ne.

7.1.

Einen Einstieg finden.

Difficult shit first –

Zur Nacht noch unresolved feelings, weil ich eine Mail von einer Professorin aufgemacht habe, die mich und andere undisclosed recipients fragt, warum wir uns so schwer mit dem Propädeutikum tun. Das erste habe ich 2013 schon nicht abgeschlossen. In der Zwischenzeit habe ich mit viel Anlauf sehr gute Hausabeiten geschrieben. Jetzt darüber lernen zu sollen, wie man wissenschaftlich arbeitet, war weird, aber nicht der Grund, warum ich dieses Semester schon wieder scheitere. It‘s not you it‘s me. It‘s not you it‘s paid work, unpaid work, lack of imagination.

Mit Mama telefoniert. Sie hat mir erklärt, warum die Sprachlernapp es als falsch angezeigt hat, als ich two apples in doi mere übersetzte. Gelernt, dass un măr nicht männlich ist, sondern neutral. Und dass zwei neutrale Dinge weiblich gezählt werden, also două mere. Was ich nicht lernen werde, ist wie man măr oder mărul ausspricht, das R kleidet meinen Rachen aus, rutscht unter die Zunge und bleibt dort liegen, schlapp und ergeben.

Das große Kind nennt seinen Lieblingspulli Schlabberino. Er ist zwei oder drei Größen zu groß und liegt jetzt auf der Heizung neben Regenbogensocken in Größe 41, die es mir nicht wiedergeben will. Sie warten mit mir auf morgen.

 

6.1.

Der Versuch, am Klang dessen, wie soft der Schlüssel ins Schlüsselloch rollt, erkennen zu wollen, ob es H. gelungen ist, das Baby mit dem Auto in den Schlaf zu fahren. Ich horche – SO soft, denke, er hat es geschafft und ich habe Feierabend, aber als er in den Flur kommt, höre ich, wie er erst die Badezimmer- und dann die Küchentür schließt. I‘m fucked. Ich würde das nachtwache Baby, das keins mehr ist, gerne an einen Schnuller gewöhnen. Meine Nase ist zu und mein Ohr tut weh, wenn ich schneuze. Heute will ich nicht der Schnuller sein. Heute will ich mich bis zum Hals einmurmeln.

Mit dem großen Kind bei Abendbrot über Mädchenfarben und Jungenfarben geredet, nochmal rückversichert, dass ja, wirklich alle Farben für alle Kinder sind. Versucht, den Scam hinter Gendermarketing aufzuklären. Bis klar wurde, dass das Kind unter „die“ bei „die wollen damit mehr Produkte verkaufen, um mehr Geld zu verdienen“ die Verkäufer_innen im Laden versteht.

Vorher Yoga mit großem Kind, das mitmacht, für das ich simultanübersetze. In seine Nachfragen hinein höre ich, wie Adriene was von Me-time sagte, das übersetze ich nicht. Das Kind macht alles mit, bis es für uns beide wirklich anstrengend wird, es schnauft mir sogar nach. Dann ruft es Richtung Fernseher:

„Wie KANN sie das?“

I feel you, kid.

Und, staying on topic: als es nicht mehr mitmachen mag, kruschpelt es in meiner Nähe in einer Spielzeugbox herum, findet eine Furzkissen und schickt, stelltvertretend für alle, die sich je neben anderen beim herabschauenden Hund davor fürchteten – einen satten Furz in die Welt.

 

5.1.

Verkrampft im Wohnzimmer sitzen, weil H. eben mit Baby ins Bett ist und es weint. Ich hatte nicht vor, mitzugehen, ich wollte noch hier schreiben, wollte noch Rumänisch üben. Die halbe Stunde, die ich vorhin hatte, als es auf dem Sofa schlief ohne mich zu berühren, habe ich genutzt, um die Küche aufzuräumen, weil ich meine Einkäufe auspacken wollte. Ich hatte mir drei verschiedene Salze ausgesucht und zwei Olivenöle und träume von Foccacia wie die, in die Samin Nosrat in der ersten Folge von Salt, Fat, Acid, Heat hineinbeißt und es knackt.

Meine Nase schmilzt und tropft. Kein Wunder, wenn die Haut über der Lunge nächtelang nackt bleibt und Kleine ihre Keime darauf verstreichen wie ich im Gegenzug Wick Vaporub auf ihrer Brust.

Yoga heute war kurz und soft und viel im Liegen. Es ist Wochenende, ich mache es abends, wenn die Kinder schlafen sollen. Das große liegt noch wach im Bett, das kleine wird mit dem Auto in den Schlaf gefahren. Natürlich kommt das Große aus dem Kinderzimmer, als ich in extended child’s pose rumliege, also sage ich mit Gesicht Richtung Matte, dass es bitte wieder ins Bett gehen solle. Macht es, und klackert die nächsten 10 Minuten mit Duplo, aber dazu sage ich nichts. Ich lasse los und muss das erste Mal seit vier Tagen während der Übungen pupsen. Yoga-Adriene sagt immer Sachen in die Kamera, die supportive sein sollen, you‘re doing great, und so weiter. Als gegen Ende, Team Tiefenentspannung, ich noch mal so richtig einen fahren lasse, kommentiert sie: „Sweet!“ Und ich denke: stimmt.

Der Kommentar des Kindes, als ich noch mal ins Kinderzimmer gucken komme: „Wenn man sowas macht (= Sport / mal 20 Minuten auf einer Matte auf dem Wohnzimmerboden rumliegen und nicht gestört werden wollen), kann man nicht gleichzeitig auf Kinder aufpassen.“ Ach Kind, denke ich, agree to disagree.

 

4.1.

Staunen. Nicht staunen in Andacht und oh, stattdessen staunen im Rausch, als ich das Treppenhaus vom Dachboden bis zu unserer Wohnung putze. Ich weiß nicht, vor wievielen Monaten das zuletzt gemacht wurde, ich war das jedenfalls seit Jahren nicht mehr. Ich staune über die Energie, die ich habe. Ich habe mich heute doch schon bis zum Muskelkater bewegt, gestreckt, gedreht, beim Versuch, Yoga zu machen. (Fun fact: wie peinlo ich es finde, das zu schreiben, aber mei, ich mach‘s halt grad.) Kann es sein, dass man Energie davon bekommen kann, was Anstrengendes zu machen, Energie zu verbrauchen? The human body as a regenerative powerplant? idk. Ich wische den Flur gleich mit, habe vorher gekehrt, den Weihnachtsbaum (weit vor Ostern) aus dem Haus getragen, und vorsorglich, unnötigerweise, Kehrwisch und Kutterschaufel für den Rückweg mitgenommen. Später klemme ich mir drei Müllsäcke unter die Arme, ehe ich das Haus verlasse, eine verspätete Adventskalenderschokolade als Wegzehrung in meiner Manteltasche.

Das große Kind mitschleppen, um ein kleineres Kind zu treffen, das genauso heißt, das ist mein Vorwand gute Menschen aus dem Internet zu treffen. Doch dann will das große Kind eigentlich nur heim und hängt schlapp auf meinem Bauch wie ein krankes kleines Kind. Ich habe abgewogen, wie fair das ist, und will glauben, dass es okay ist, wenn Kinder mit ihren Eltern zu sozialem Kram der Eltern mitkommen, nicht nur umgekehrt. Auch wenn es die Kinder langweilt, auch wenn die Kinder schüchtern und unsicher sind. Dann bin ich gerne das Boot und trage, denn ich will auch in die Welt.

Apropos Boot: bevor ich mich zum Einschlafstillen des kleinen Kindes aufs Sofa gesetzt habe, dachte ich, das könnte länger dauern, so anhänglich und verrotzt wie es ist. Da könnte ich doch einen Film sehen, so einen richtigen normallangen Spielfilm. Ich habe also Vaiana gesehen, jetzt erst. Und wie: Mit der Filmanalysebrille die Plotpoints vorraussehen, aber bei den spannenden Stellen trotzdem die Faust im eigenen Pulli verkrallen. Alles wiedererkennen, Pocahontas, Arielle, Herkules, Hamilton. Und am Ende, erst als der Film rum ist, beim Titelsong im Abspann kribbelnde Augen kriegen für vielleicht eine Träne. Das war schön.

 

 

3.1.

Sich etwas aus den Fingern saugen, oder von ihnen ablecken. Ich habe heute zweimal etwas gemacht, das man kochen nennen kann. Jetzt ist mein Bauch so voll und präsent, dass ich auch vermute, mein Uterus ist mit Innenausstattung beschäftigt. Oder ich sehe das nur so, weil ich Sportkleidung trage, die eng anliegt. Ich sehe das und mache mir meine Gedanken dazu, die immer bei nicht weniger werden wollen landen, aber der Weg dahin ist Schlenkern, ist Widerstand gegen eigene Widerstände.

Sportkleidung trage ich, weil ich vor einem Fernseher eine verknickte Yogamatte hingelegt habe und darauf versuche, mich in die eine oder andere Richtung zu strecken, ohne dass meine Brüste in die eine oder andere Richtung baumeln. Der Fernseher ist mit dem Internet verbunden, ich bekomme alles vorgemacht und verrenke mich beim Versuch zu sehen, was ich wie nachmachen soll.

Auf der Matte frage ich mich, was für 1 (westdeutsches Hausfrauen-) Life das eigentlich ist. Vor 25 Jahren hätte ich eine Videokassette mit Aerobic-Hometrainer in den Kassettenrecorder schieben können, jetzt ist es Youtube-Yoga.

Ich trage Sportkleidung, aber ich würde nicht sagen, dass ich Sport mache. Ich mag Sport nicht. Oder: Ich mag mich selbst nicht, wenn ich Sport mache. Die Grenzen des eigenen Körpers. Unzulänglichkeiten, die als Pars pro toto unfreundliche Aussagen über mich als Person treffen. Sportunterricht, die Erinnerung daran. Selbst Sport, den ich in einem feministischen Setting gemacht habe, oder um stärker zu werden, ist für mich in destruktive Selbstoptimierung gekippt, weil ich das Gefühl hatte, nicht genug zu sein, nie genug sein zu können.

Beim Rückbildungskurs war ich froh, wenn das Baby mich im Nebenzimmer bei sich haben wollte. Ich hatte gehofft, wir würden dort rumsitzen und unseren Beckenboden wie einen Schmetterling flattern lassen, in Gedanken mit unserer Vulva Gegenstände aufheben, aber wir mussten uns richtig bewegen. Ich war die einzige, die das nicht geschafft hat und erschöpft mittendrin liegen geblieben ist. Dann habe ich auf eigene Kosten geschwänzt, self care, sozusagen.

Ich mache also keinen Sport, sicherheitshalber, ich probiere hier nur was aus, was Freundinnen empfehlen, weil es ihnen gut tut. Ich mag, dass mir hier niemand zusieht, dass mich niemand korrigiert, dass ich mich nur mit mir auseinandersetze und nicht damit, was ich denke, was andere über mich denken, wenn mein Körper nicht macht, was ich will. Und ich mag das Gefühl, wenn das Video vorbei ist. Wenn ich aufstehe, etwas dizzy, und merke, oha, hallo Körper, danke für die Durchblutung, nice to feel you. Manchmal ist auch Sex so: Das Staunen, wie sich der eigene Körper anfühlt, nachdem man sich ein bisschen bewegt hat. Dann muss ich lachen, und das ist sehr okay.

 

 

2.1.

Wie ich versucht habe, den aktiven Jahresbeginn auf heute zu legen: auf nach dem verschlafenen Feiertag, dahin, wenn die Kinder wieder in professionellen Händen sind und nur ich mich mit meiner Dilletanterei herumschlagen muss. Dann verschlafen wir alle. Machen ganze Nachtwanderungen, von Zimmer zu Zimmer, zu Lichtschaltern und wieder zurück zum Bett, von Brust A zu Brust B und im Kreis durch das Bett, bevor das nächste Zimmer ruft und niemand mehr aufstehen will.

Um neun geht der vernünftigere Erwachsene verspätet zu seiner Lohnarbeit. Ich wechsle das Bett von einem Kind zum anderen, sage, er soll sie alle schlafen lassen, das kleine zu heiß für die Kita, das große schläft tief und fest. Ich bin so müde, ich könnte Schlaf mit Schöpflöffel über die Welt gießen, gönnerinnenhaft. Um halb elf ist das große Kind wach, kommt rüber, knallwach, das kleine arbeitet sich da bereits von einer Milchquelle zur nächsten, klebt mir Popel an die Mamille.

So viel dazu.

Aber das große Kind macht mir ganz alleine eine Tasse Kaffee. Wir spielen, snacken, tanzen bis Youtube-Autoplay bei Blümchen landet. Kurz bevor die Stimmung kippt, kommt der andere Erwachsene früher von der Arbeit.  Er packt die Kinder unter den Arm, Richtung Ikea, Spielplatz, Kleinmarkthalle. Ohne mich. Ich habe alle Nachmittagslichtflecken auf dem Laminat für mich allein und will was daraus machen.

ongoing

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Den vom Schlaf verkaterten Körper in ein Neujahrsbad tunken. Ins Badewasser pupsen, mit den Füßen den Heißwasserregler hochschieben. Die Wärme kriecht von den Zehen zu den Oberschenkeln wie eine langsam zu mir gezogene Decke, eine, die ein bisschen zu lang auf der Heizung lag. Lang nicht mehr gemacht, das. Ein Ergebnis von Absprachen, vor allem mit mir selbst. Wenn ich was will, für mich, muss ich insistieren, damit es gelingt. Ich will hier heute alleine rumliegen. Ich kündige es mehrmals mit einem Megaphon an, damit ich mir selbst glaube. Passend zu Vorsätzen und tralala lese ich das Habits-Buch von Gretchen Rubin. Ich bin Obliger und das ist knifflig, wenn man was will in der Welt. Zum Beispiel gezielt nass rumliegen und tippen.

Der erste Streit im neuen Jahr darüber, wer seinen Namen zuerst in den Familienkalender eintragen darf. Ich hab mit meinem Namen angefangen, und das war nicht recht. Jetzt Gemurmel von Groß und klein in der Küche. „Das wird Mama aber freuen.“ „Es muss erst über Nacht in der Kühlschrank.“ „Och schade.“

Das große Kind kommt ins Badezimmer, will den Kopf meines Pfefferkuchenmensches abbeißen, wackelt auf dem Beckenrand rum:

„Für wen schreibst du denn?“

„Für mich!“

„Hä, das geht aber nicht.“

„Doch, doch: du malst was für dich, ich schreib was für mich.“

„Das geht aber schwer.“

Ja.

Gestern Nacht oder heute früh um 4 Uhr (wach dank Cola, Apfelsekt, Fieberbaby) habe ich gelernt, Eu sunt o femeie zu sagen und bărbat, fată, băiat und femeie auseianderzuhalten. Der Sprachkurs beginnt mit Lektionen in dualem Geschlecht. Tu eşti un copil flüstere ich neben mich ins Bett, zum einen und zum anderen. Dieser Plan beginnt soweit ganz gut.

Andere Vorsatzversuche, mir fast peinlich, ich hab es nicht mit Lautsprecher in die Wohnung geworfen, nur neulich mal privat umständlich angedeutet: 30 Tage Yoga with Adriene. Ich sags mal an für Accountability. Der erste Tag noch mit dem Versprechen, sich nicht bewegen zu müssen, nur mit Video, jetzt gleich in der lauwarmen Wanne. Das passt zum Tag. Lieber den wirklichen Beginn des neuen Jahres auf morgen schieben. Wenn ich wieder gewaschene Haare habe, wenn die Kindertagesstätte wieder öffnet, wenn noch mehr Kalender in meinen Briefkasten geschoben werden. Today is for recovery. Der einzige Wind die Bläschen im Badewasser.